Details zur Destillerie Scapa

Bedeutung des Namens: "Schellfischbucht"

Foto von Scapa
Scapa Distillery near
Die Brennerei Scapa wurde 1885 von John Townsend auf dem Gelände einer alten Wassermühle erbaut. Sie erhielt ihren Namen nach der Lage auf den Felsklippen um die berühmte Bucht Scapa Flow. Scapa Flow stellt die nördliche Verbindung von Nordsee und Atlantik dar und diente der britischen Flotte in beiden Weltkriegen mit ihrem natürlichen Hafen als Hauptstützpunkt.

Nach der Inbetriebnahme noch im Jahr ihrer Gründung durchlebte die Destillerie die üblichen Besitzerwechsel z.B. durch die Phasen des Whiskybooms Ende des 19. Jahrhunderts und des darauf folgenden Zusammenbruchs, hauptsächlich durch den Konkurs der Firma Pattison. Während beider Weltkriege war die Brennerei stillgelegt, und kam dann 1954 in den Besitz der Firma Hiram Walker (seit 1928 eigentlich Hiram Walker Gooderham & Worts, mit Seagram eines der beiden kanadischen Whiskyimperien), die während der Prohibition in den USA auch Kontakte nach Schottland geknüpft und dort 1935 George Ballantine & Sons erworben hatte. Seitdem erweiterte Walker seine Aktivitäten in der schottischen Whisky Industrie beständig, kaufte bereits 1936 Glenburgie und Miltonduff, errichtete 1938 über Ballantine & Sons die riesige Grain Whisky Brennerei Dumbarton, in der sich zeitweise auch eine Maltdestillerie (Inverleven) befand, und erwarb 1954 außer Scapa auch noch Glen Scotia und Glencadam. Später kamen noch Pulteney (1955), Balblair (1970) und Ardbeg (1973) hinzu.
Im Jahr 1954 hatte Walker für seine zahlreichen Blends allerdings mit sechs Malt-Brennereien zu wenige unterschiedliche Malts und beauftragte den jungen Ingenieur Alistair Cunningham mit der Untersuchung der Frage, wie es technisch möglich wäre, in einer Brennerei unterschiedliche Malts herzustellen. Nach erfolglosen Versuchen mit der Maische schlug dieser vor, Lomond-Brennblasen (Lomond stills) zu verwenden. Diese sind nicht bauchig, sondern zylindrisch geformt und können durch bewegliche Kupferplatten im oberen Halsabschnitt unterschiedlichen Rückfluss erzeugen und damit verschiedene Maltdestillate hervorbringen. In Inverleven und Glenburgie wurden diese stills eingebaut, und 1959 auch bei Scapa, dort allerdings nur eine Rohbrandbrennblase für die erste Destillation. Anfangs wurde ein relativ kleiner Prototyp eingebaut, der jedoch 1971 durch eine größere ersetzt wurde.
Die Lomond stills brachten letzendlich nicht den erhofften Erfolg, und wurden überall bis auf Scapa meist aufgrund von Erweiterungen der Brennereien mit normalen Brennblasen wieder entfernt.
Unter Walker wurde bei Scapa die eigene Mälzerei 1962 eingestellt, und 1978 fanden umfangreiche Modernisierungen, v.a. eine Verdoppelung der edelstählernen Gärbottiche statt.
Dennoch blieb Scapa eine kleine Brennerei mit nur einem Paar Brennblasen und ist zur Zeit in der gesamten schottischen Whiskyindustrie die einzige, die über eine aktive Lomond-Brennblase verfügt. Zwar wurden die Kupferplatten im Halsabschnitt inzwischen entfernt, da auch niemand mehr hier unterschiedliche Malts herstellen will, aber die erste Destillation findet immer noch in der 1971 eingebauten Lomond still mit ihrem Fassungsvermögen von 12.280 Litern statt. Die in ihr erzeugten sog. Low Wines werden dann ein zweites Mal in einer herkömmlichen zwiebelförmigen Feinbrandbrennblase (spirit still) mit einer Kapazität von 12.536 Litern gebrannt.
Im Jahr 1986 wurde Allied Lyons Mehrheitsaktionär von Hiram Walker und erwarb im Jahr darauf die restlichen Aktien, so dass Scapa nun zu dem Konzern gehören sollte, der mit dem Erwerb Pedro Domecqs 1994 in Allied Domecq umfirmierte, seine Brennereien der Tochter Allied Distillers zuordnete und Scapa im gleichen Jahr einmottete, wohl einerseits aufgrund der geringen Kapazität, und weil sie genug Zulieferer für ihren Ballantine's Blend hatten, und die Produktion von Scapa Malt wegen der abgelegenen Insellage dazu noch teurer war.
Allerdings wurde ab 1997 jedes Jahr für eine kurze Periode mit Hilfe der Mannschaft der benachbarten Brennerei Highland Park gebrannt, um keine zu großen Lücken in den Beständen enstehen zu lassen. Während dieser Jahre wurde so gut wie nichts in die Instandhaltung der Brennerei investiert, die nicht zuletzt durch das extreme Wetter auf den Orkney Inseln stark dem Verfall ausgesetzt war. In den Jahren nach der Jahrtausendwende fand dann auch bei Allied langsam ein Umdenken in Richtung Malt Whiskies statt, und man entschied sich im Jahr 2004 dennoch überraschend, die Brennerei für über drei Mio. Euro aufwändig zu sanieren. Die Sanierung, die teilweise fast einem Neubau gleichkam, begann im März 2004 und lief in mehreren Phasen ab, um die Produktion nicht zu lange zu unterbrechen. Nach Abschluss der ersten Umbauphase wurde im November 2004 wieder destilliert, bis zur erneuten vorübergehenden Sillegung im April 2005, als die zweite Sanierungsphase durchgeführt wurde. Im Sommer 2005 wurde Allied Domecq an Pernod Ricard und Fortune Brands verkauft. Obwohl Fortune Brands ebenfalls Interesse an Scapa zusätzlich zu Laphroaig und Ardmore bekundeten, entschied man sich bei Pernod Ricard letzendlich gegen die Abgabe Scapas.
Seit Januar 2006 wird inzwischen wieder kontinuierlich mit einer kleinen Mannschaft, die aus nur drei Leuten besteht, gebrannt, wobei die Kapazität der Brennnerei, die bis zu 1 Mio. Liter Whisky jährlich herstellen könnte, nicht ausgenutzt wird. Pernod Ricard scheint hier eine Konzentration auf Single Malt Produktion durchführen zu wollen, und erste Anzeichen sprechen für ein jährliches Volumen von 200-300.000 Litern Single Malt. Dieser wird vor Ort in zwei traditionellen Lagerhäusern fast ausschließlich in Ex-Bourbonfässern gelagert.

Der immer noch relativ geringe Bekanntheitsgrad von Scapa liegt nicht nur daran, dass die Brennerei absolut nichts von der traditionellen Ästhetik Highland Parks hat, vielmehr ein moderner Zweckbau ist, der dazu noch jahrelang verkommen war, sondern hauptsächlich wohl daran, dass die Besitzer Jahrzehnte nicht annähernd soviel für die Vermarktung getan haben wie die Nachbarn.
Es war wie bei vielen Allied-Destillerien hauptsächlich Gordon & MacPhail vorbehalten, für die Abfüllung des Single Malt Sorge zu tragen, was diese auch zuerst mit einem 8-jährigen Scapa und später dann wie auch bei Ardmore oder Glentauchers mit verschiedenen Jahrgangsabfüllungen taten. Auch heute noch gibt es trotz des Besitzerwechsels regelmäßig Abfüllungen von G & M, der aktuelle Jahrgang ist von 1993, also kurz vor der Stillegung der Brennerei durch Allied. Kurioserweise brachte Allied nach der Einmottung Scapas 1995 die erste Eigentümerabfüllung als zehnjährigen heraus, der allerdings fast ausschließlich den damaligen Duty-Free Märkten vorbehalten war. Einige Jahre später erschien ein 12-jähriger, der weitere Verbreitung fand und auch einen Platz in der von Allied lancierten sogenannten Heritage-Selection bekam. Diese war vermutlich als Antwort auf die Classic Malts von United Distillers gedacht, konnte aber nie deren Erfolg verbuchen. Immerhin könnte man mutmaßen, dass sehr indirekt United Distillers und ihr Nachfolger Diageo mit zur Rettung Scapas beigetragen haben dadurch, dass sie von den Großkonzernen als erste das Potenzial ihrer Single Malts entdeckten und erfolgreich vermarktet haben. In dem Bemühen zur Nachahmung sahen sich Allied dann gezwungen, auch etwas mehr Augenmerk auf ihre Single Malts zu richten, und evt. wurde dadurch 1997 dann mit den Besitzern Highland Parks das oben erwähnte Abkommen geschlossen, die Mannschaft dieser Brennerei dort einige Wochen im Jahr Scapa Malt herstellen zu lassen. Jedenfalls wurde nach dem sehr späten Umdenken bei Allied gleichzeitig mit dem Beginn der Renovierungsarbeiten im Jahr 2004 auch ein Nachfolger für den 12-jährigen Scapa vorgestellt.
Die neue Scapa-Eigentümerabfüllung in vollkommen überarbeitetem Gewand kommt seither als 14-jähriger in runder Röhre daher und ist auch heute noch unter Pernod die einzige ständig verfügbare Originalabfüllung dieser Brennerei.
Seitdem hat der neue Besitzer im September 2005 eine auf 2.000 Flaschen limitierte Abfüllung eines 25-jährigen Scapa aus dem Jahre 1980 mit 54% Vol. herausgebracht, der in 2006 eine 14-jährige Jahrgangsabfüllung eines 1992 destillierten Scapa folgte.
Wie es unter Pernod mit der kleinen Brennerei auf Orkney weitergehen wird, bleibt abzuwarten, Single Malt Liebhaber dürfte jedenfalls erfreuen, dass die Brennerei wohl bis auf weiteres gerettet sein dürfte, und eine ernstzunehmende Alternative eines Orcadian Single Malt Whisky bietet.
Ende 2008 verdichten sich die Gerüchte über eine neue 16-jährige Eigentümerabfüllung, die den 14-jährigen ersetzen wird. Dieses ist eine logische Konsequenz der extrem geringen Bestände aus den Jahren zwischen 1997 und 2004-06.

11/2008


Wasser: Lingro Burn

Mash tuns: 1 , : 3,0 Tonnen

Washbacks: 6 , : 350.000 Liter

Adresse:
St. Ola, Kirkwall, Orkney KW15 1SE

Homepage

Washstills: 1 , : 12.280 Liter

Spiritstills: 1 , : 12.563 Liter

: 1.000.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 200.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2007)

Befeuerung: Dampf

Besitzer: Pernod-Ricard

Es sind weitere Abbildungen zu Scapa vorhanden
 

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