Details zur Destillerie Pulteney

Bedeutung des Namens: "nach Sir William Pulteney"

Foto von Pulteney
Pulteney
Die Brennerei Old Pulteney inmitten des kleinen Fischerstädtchens Wick unweit des Hafens ist mit einer Entfernung von etwa 30km zur äußersten Landspitze bei John O'Groats die nördlichste des schottischen Festlands.
Als einzige Brennerei neben Glen Grant hat Pulteney ihren Namen einer Person zu verdanken, nämlich Sir William Pulteney. Dieser ließ als Direktor der British Fishing Society 1810 vom Ingenieur Thomas Telford am Südufer des Wick gegenüber dem schon existierenden Dorf neue Hafenanlagen und einen Fischerort für 1500 Menschen anlegen.
Der neue Ort hieß Pulteneytown und wurde bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zum größten Heringshafen Europas.
Gegründet wurde die Destillerie von James Henderson und blieb bis 1920 in Familienbesitz.
Durch die Lage im Ort erinnert Pulteney an Oban oder Springbank. Ganz entgegen der Bezeichnung Old gilt der Pulteney Malt eigentlich als eine der eher schnell reifenden Sorten.
Als Henderson Pulteney 1826 gründete, arbeiteten in Wick über 10.000 Menschen in der Heringsindustrie, und viele Arbeiter der Brennerei waren nebenbei Küfer, die Fässer auch für die Fischfangflotte herstellten. Der Absatz für Whisky war durch die hohe Anzahl an Gastarbeitern zu dieser Zeit mehr als gesichert.
1920 ging die Brennerei an James Watson & Son, eine Whiskyblenderfamilie aus Dundee, denen bereits Glen Ord gehörte. Nach Watsons Tod ging Pulteney 1923 mit Glen Ord an Thomas Dewar von John Dewar & Sons. Dewar & Sons hatte bereits 1915 mit Buchanan (u.a. Black & White) fusioniert, Buchanan-Dewar wurde anschließend 1925 zusammen mit vielen anderen von der DCL (Distillers Company Limited) übernommen. Die noch im gleichen Jahr ebenso von der DCL übernommenen SMD (Scottish Malt Distillers, 1914 gegründeter Zusammenschluss aus fünf Lowland Brennereien) übernahmen die Geschäfte für Pulteney und legten die Brennerei 1930 still. Ein großer Teil der Heringsfangflotte war von der britischen Admiralität im ersten Weltkrieg zu Kriegszwecken konfisziert worden, und kehrte, auch wegen der beginnenden Überfischung der Bestände, nie zurück. Es herrschte eine hohe Arbeitslosigkeit in der Gegend, und Alkoholmissbrauch war an der Tagesordnung. In einem verzeifelten Versuch, diesen zu stoppen, wurde in Wick 1922 ein Alkoholverbot erlassen vergleichbar der Prohibition in Amerika. Das Alkoholverbot hatte Bestand bis 1947, und auch, wenn es natürlich umgangen wurde, war ein öffentlicher Ausschank in Kneipen und Bars eben untersagt, so dass eine Brennerei zu dieser Zeit einen schweren Stand gehabt hätte.
Nach dem Ende dieser Ära kaufte 1951 Robert Cumming, ein Anwalt aus Banff, der 1948 bereits Balblair erworben hatte, die Brennerei. Bereits 1955 verkaufte er Pulteney jedoch an ein Tochterunternehmen von Hiram Walker, seinen Hauptabnehmer, an den er 1970 auch Balblair verkaufte.
Hiram Walker führte von 1955 bis 1959 eine komplette Renovierung Pulteneys durch. Dabei wurde 1959 auch die eigene Mälzerei eingestellt.
Zwei Jahre später, 1961, ging Walkers Tochterunternehmen an Allied Breweries, das durch mehrere Zusammenschlüsse in der Folgezeit zu Allied Lyons mit der Wein-und Spirituosentochter Allied Vintners, und 1986 mit der Übernahme des gesamten Walker-Konzerns Allied Distillers wurde. Als Allied Lyons 1994 Pedro Domecq kaufte, wurde daraus der Spirituosengigant Allied Domecq. Durch die zahlreichen Akquisitionen besaß Allied nun mehr Brennereien, als für die Versorgung ihres Spitzenblends Ballantine's nötig waren. Der Riese ächzte unter der Last seiner Malt-Brennereien, viele wurden lediglich spärlich vermarktet oder produzierten nur sporadisch. Abgelegenen kleineren Destillerien wie Pulteney drohte damit die Schließung. Im Jahr 1995 entschloss sich Allied dann jedoch zur Veräußerung Pulteneys an das damals wieder rein schottische Unternehmen Inver House Distillers, die sich erst 1988 durch ein Management-Buy-Out freigekauft hatten. Dieses Unternehmen hatte bereits im Jahr seiner erneuten Unabhängigkeit mit Knockdhu seine erste Brennerei erworben, und fügte nun mit Pulteney nach Speyburn (1991) eine dritte hinzu. Im folgenden Jahr erwarb man Balblair, 1997 dann Balmenach. Das auf fünf Malt-Brennereien angewachsene kleine Imperium wurde dann 2001 von der thailändischen Pacific Spirits übernommen, einer Tochter der Great Oriole Group.
Wie bei allen seinen zwar relativ unbekannten, aber feinen Brennereien brachte Inver House auch beim Erwerb Pulteneys nach relativ kurzer Zeit eine Eigentümerabfüllung auf den Markt, in diesem Falle im Jahr 1997 den 12-jährigen Old Pulteney. Er erschien in auffälliger Geschenkverpackung, die der Geschichte Pulteneys und Wicks als Heringshafen Rechnung trägt, und mit einer Flaschenform, die an die äußerst urtümlichen Brennblasen der Destillerie erinnert. Nachdem zum Millenium ein limitierter 15-jähriger in Fasstärke erschien, folgte 2004 ein nicht kühlgefilterter 17-jähriger mit 46% und ein Jahr darauf ein auf 3.000 Flaschen limitierter 21-jähriger des Jahrgangs 1983, der ebenfalls nicht kühlgefiltert wurde.

Pulteney 12 Years
Inver House hat sich mit der Rettung diverser Kleinode unter den schottischen Malt Brennereien um den Single Malt Whisky verdient gemacht. Gerade für eine so abgelegene Region wie Wick bedeutet der Betrieb einer Brennerei und die Vermarktung des in ihr erzeugten Malts sehr viel. In der Brennerei selbst sind acht Personen beschäftigt, doch die indirekte wirtschaftliche Bedeutung z.B. durch Fremdenverkehr u.v.a. ist sicherlich kaum zu ermessen.
Wenngleich vielleicht nicht unbedingt eine Bilderbuchbrennerei wie Balblair oder Speyburn, hat Pulteney durch seine Ausstattung mit einigen Kuriositäten im Inneren dem Besucher einiges zu bieten:
Der Maischebottich (mash tun), der vermutlich einmal aus Oban kam, ist aus Gusseisen und wurde nachträglich mit einem Edelstahldeckel versehen. Von den sechs Gärbottichen (washbacks) mit einer Kapazität von jeweils 24.000 Litern befindet sich einer im ohnehin schon ausgesprochen engen Brennhaus. Dies ist ein Relikt aus einer Zeit, in der eine Vergrößerung wohl geplant war, aber vermutlich auch aufgrund des begrenzten Platzes für die gesamte Brennerei nie stattfand. Ohnehin sind die Gärbottiche wenngleich nicht ästhetisch ansprechend dennoch eigenartig sehenswert, mit einer Außenhülle aus weiß gestrichenem Gusseisen und einer nachträglich installierten Innenhülle aus pflegeleichtem Edelstahl. Die Deckel, ebenfalls aus weiß gestrichenem Metall, haben hölzerne Luken zur Kontrolle der Gärung. Befüllt werden die Gärbottiche jeweils nur mit 14.000 Litern. Am auffälligsten sind jedoch die beiden Brennblasen (stills), die sich im für sie offensichtlich viel zu kleinen Brennhaus drängen. Die ursprünglich aus Campbeltown stammende, 21.707 Liter fassende Rohbrandbrennblase (wash still) war zu hoch, so dass sie oben keinen ausgeformten Schwanenhals (lyne arm) hat. Dieser wurde abgesägt, das Rohr geht einfach seitlich durch die Wand zu den außen liegenden althergebrachten Kondensationsspulen (worm tubs). Auch letztere sind bemerkenswert, werden sie doch nur noch von wenigen Brennereien benutzt. Befüllt wird die wash still lediglich mit 16.100 Litern, um dem Destillat möglichst viel Kontakt mit dem Kupfer zu ermöglichen. Dieser Kontakt wird verstärkt durch die enorme kugelförmige Verdickung oberhalb des Bauches der Brennblase, die außerdem für einen erhöhten Rückfluss sorgt, so dass nur die leichtesten Dämpfe durchgelassen werden. Die ganze wash still hat ein wenig das Aussehen einer antiken Taucherglocke. Die Feinbrandbrennblase (spirit still) mit einer Kapazität von 17.343 Litern, die zwecks schoneneder Destillation nur mit etwa 13.200 Litern befüllt wird, ist kaum weniger bemerkenswert. Sie hat einen äußerst verschlungen laufenden Schwanenhals und erinnert an ein gigantisches, Tuba-ähnliches Musikinstrument. Zur Erhöhung des Rückflusses der schwereren Dämpfe ist hier ein sog. Purifier (Reiniger) angebracht, der sich auch nur bei wenigen Brennereien wie z.B. Ardbeg oder Strathmill, findet. Das in der spirit still erzeugte Destillat wird ebenfalls außerhalb des Brennhauses in traditionellen worm tubs kondensiert, bevor es zurück ins Brennhaus durch den spirit safe geleitet wird. Anschließend wird es überwiegend in Fässern gelagert, die zuvor Bourbon enthielten. Diese bis zu 30.000 Fässer lagern in sieben traditionellen sog. dunnage warehouses, also niedrigen Lagerhäusern mit erdenen Böden und höchstens drei Fässern übereinander.
Etwa ein Viertel des hier gelagerten Whiskies wird inzwischen als Single Malt vermarktet.

Interessant ist eine Ähnlichkeit zu Bowmore auf Islay, wo die Brennerei indirekt ein Schwimmbad beheizt: auch Pulteney trägt nicht nur durch die Arbeitsplätze zum Erhalt einer alteingesessenen aber abgelegenen Gemeinde bei, sondern auch durch die intelligente Nutzung der überschüssigen Energie der Brennerei: die bei der Kühlung des Destillats entstandene Abwärme wird durch einen mit Holzpellets gefeuerten Boiler weiter erhitzt und dient so bis zu 1000 Haushalten des Örtchens Wick quasi als Blockheizkraftwerk.

11/07

Wasser: Leitungswasser und Hempriggs Loch

Mash tuns: 1 , : 5,0 Tonnen

Washbacks: 6 , : 144.000 Liter

Adresse:
Huddart Street, Wick, Caithness KW1
5BA

Tel: 0049-1955 602 371
Fax: 0049-1955 602 279

Homepage

Washstills: 1 , : 21.707 Liter

Spiritstills: 1 , : 17.343 Liter

: 1.000.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 900.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2006)

Befeuerung: Dampf

Es sind weitere Abbildungen zu Pulteney vorhanden
 

Interaktive Karte: