Details zur Destillerie Laphroaig

Bedeutung des Namens: "Schöne Niederung an der breiten Bucht"

Foto von Laphroaig
Laphroaig
Laphroaig ist die erste Brennerei auf die man trifft, wenn man von Port Ellen kommend die Straße an der Südküste Islays entlang fährt oder geht.
Sie wurde 1815 von Donald und Alex Johnston in einer kleinen natürlichen Bucht gegründet, und ging aus einer dort schon vorher betriebenen Farmbrennerei für den Eigenbedarf hervor.
Im Besitz der Familie Johnston, deren Name noch heute auf den Abfüllungen steht, blieb sie über ein Jahrhundert lang, bis sie von einem kinderlosen Nachfahren der Gründer an seine Sekretärin, Bessie Williamson, vererbt wurde. Diese verkaufte 1967 an Long John International, führte aber bis 1972 weiter die Geschäfte vor Ort. Im Jahr 1990 ging Long John International letzendlich an Allied Domecq, und blieb nahezu die einzige Malt Destillerie Allied Domecqs, die als Marke gepflegt und ausgebaut wurde, immerhin schloss man sogar Ardbeg zugunsten Laphroaigs.
Im Jahr 2005 ging Laphroaig im Zuge der Übernahme Allieds an Pernod Ricard, die sie aus kartellrechtlichen Gründen zusammen mit Ardmore in der östlichen Speyside und dem Blend Teacher's an Fortune Brands Tochter Beam Global Spirits & Wine (Jim Beam u.a.) verkaufen mussten..
Die Brennerei Laphroaig gehört zu den erfolgreichsten Malt Whisky Destillerien Schottlands. In den fast 200 Jahren ihres Bestehens gab es abgesehen vom 2. Weltkrieg keine Stilllegungsperioden, selbst von der großen Krisenzeit während der amerikanischen Prohibition profitierte man teilweise sogar, da Ärzte in den USA Laphroaig als Medizin auf Rezept verschrieben haben sollen! Der intensive phenolische Geruch nach Seetang, Jod und Rauch lässt dies bisweilen nachvollziehen. Laphroaig gehört nicht nur zu den erfolgreichsten, sondern auch zu den geruchlich und geschmacklich extremsten Single Malts.
Jahrelang wurde Werbung mit der Aussage "man liebt ihn oder man hasst ihn" gemacht.
Der Laphroaig teilt sicherlich - wie auch die anderen Malts der Südküste Islays- die Gemeinde der Single Malt Anhänger, aber er hat nachweislich viele Freunde, darunter auch einen prominenten Fürsprecher, nämlich keinen geringeren als Prince Charles, dessen erklärter Lieblingswhisky der 15- jährige Laphroaig ist. Er besuchte die Brennerei 1994 persönlich und verlieh ihr sein königliches Wappen. Seitdem prangen an der Brennerei und auf den Abfüllungen der Destillerie als Hoflieferanten des Prince of Wales die drei Federn. Der Besuch wurde zum Anlass genommen, allen Freunden von Laphroaig sowohl im liebevoll ausgestatteten Besucherzentrum der Brennerei wie auch im Internetauftritt humorvoll, unterhaltsam und professionell Rechnung zu tragen.

Bis zum Rückzug von Bessie Williamson aus dem Unternehmen war Laphroaig trotz der bereits 1923 erfolgten Erweiterung um ein Paar Brennblasen auf 4 eine Brennerei geblieben, die noch fast wie zur Gründungszeit betrieben wurde. Die hohe Nachfrage machte Modernisierungs- und Kapazitätserweiterungsmaßnahmen dringend erforderlich, die bisher -ganz im Gegensatz zum erfolgreichen Marketing- nicht durchgeführt worden waren. 1968 baute Long John International ein weiteres Paar Brennblasen ein und verpflichtete im Jahr 1970 mit John McDougall einen gerade 28-jährigen Brennmeister, der zuvor bei Balvenie tätig war, um weitere erforderliche Neuerungen umzusetzen. Unter seiner Regie wurde der Ertrag an Whisky pro Tonne Malz beträchtlich erhöht, die Wasserversorgung mit dem Bau eines Staudamms gesichert, die Kapazität der Gärbottiche verdoppelt und die Produktion von gut 1,5 Mio. auf über 1,9 Mio. Ltr. Whisky in Fassstärke pro Jahr erhöht. Erneut musste über eine Aufstockung der Brennkapazität nachgedacht werden, und obwohl John McDougall zwei weitere Feinbrandbrennblasen (spirit stills) mit identischer Kapazität zu den breits vorhandenen bevorzugte, konnte er seine Vorgesetzten nicht überzeugen, und Anfang der siebziger Jahre wurde eine Feinbrandbrennblase mit exakt der doppelten Kapazität der drei anderen eingesetzt. Diese Neuerung hat Puristen zufolge eine Veränderung in der Natur des Destillats hin zu einem etwas leichteren Endprodukt bewirkt.
Außerdem verfügt Laphroaig dadurch wie nur wenige Brennereien (z.B. Talisker) über eine ungerade Anzahl an Brennblasen, nämlich nun insgesamt sieben. Im Jahre 1984 wurde das Brennhaus erneut umgebaut, es bekam eine neue Dachkonstruktion, und die Brennblasen wurden um 180° gedreht.
Im Brennhaus finden sich drei Rohbrandbrennblasen (wash stills) mit einem Fassungsvermögen von jeweils 10.500 Litern. Für den zweiten Destillationslauf stehen vier Feinbrandbrennblasen zur Verfügung, wovon drei eine Kapazität von jeweils 4.700 Litern aufweisen und mit je 3.630 Ltr. befüllt werden, die große vierte Spirit Still hat eine Kapazität von 9.400 Litern und wird mit 7.270 Litern befüllt.
Der Maischebottich und die Gärbottiche sind aus pflegeleichtem Edelstahl und der Prozess wird weitgehend computerüberwacht.

Trotz dieser Veränderungen auf dem Weg in die Moderne ist der Laphroaig weiterhin einer der individuellsten Malt Whiskies, und einen nicht unerheblichen Anteil daran dürfte ein nach wie vor sehr traditionell ausgeführter Arbeitsgang haben: das Mälzen der Gerste vor Ort auf zwei übereinander liegenden Mälzböden direkt am Wasser und die anschließende Trocknung in den eigenen mit Torf befeuerten Malzdarren (kilns).
Die Mälzböden und die Kilns, die bei Laphroaig mit den charakteristischen Pagodendächern versehen sind, werden nur noch bei extrem wenigen Brennereien tatsächlich für ihren ursprünglichen Zweck genutzt, meist wurden sie aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes und der begrenzten Kapazität aufgegeben. Auf Islay findet man diese traditionelle Arbeitsweise sonst nur noch bei Bowmore.
Die Kapazität der Mälzböden erlaubt Laphroaig etwa ein Viertel der benötigten Gerste selbst zu mälzen, der Rest wird von der Großmälzerei in Port Ellen zugeliefert. Der zum Trocknen (Darren, Kilnen) benötigte Torf stammt aus dem über 600 ha großen Glenmachrie Peat Moss auf Islay, das die Brennerei ihr Eigen nennt.
Aktuell hat Laphroaig die Zeit, die das Torffeuer im Kiln zur Trocknung verwendet wird um 5 auf 18 Stunden erhöht, und dabei gleichzeitig die Zeit, die hinterher heiße Luft verwendet um 3 Stunden verkürzt. Dadurch ist der Phenolgehalt des in der eigenen Tennenmälzerei hergestellten Malzes von 43 auf 50-55ppm gestiegen. Der von Port Ellen zugelieferte Anteil kommt nach wie vor mit einer 40ppm Spezifikation, der nachzuweisende Phenolgehalt im resultierenden neuen Destillat beträgt inzwischen etwa 25ppm.

Die Eigentümlichkeit im Geschmack wird sicherlich auch dadurch beeinflusst, dass das den Torf liefernde Moor sehr in Wassernähe liegt und bei Weststurm dementsprechend häufig mit Salzwassergischt übersprüht wird. In Verbindung mit den ebenfalls sehr nah am Wasser gelegenen sechs Lagerhäusern auf dem Brennereigelände, die bis zu 60.000 Ex-Bourbonfässer reifenden Laphroaig aufnehmen können, ergibt sich der torfig-rauchige, maritime Charakter dieses Single Malts.

Laphroaig Quarter Cask
Bereits seit fast 20 Jahren wird Laphroaig ausschließlich in Ex- Bourbonfässern gelagert. Lediglich der limitierte 30-jährige Laphroaig enthält Anteile an Whisky, der in Fässern reifte, in denen zuvor Sherry lagerte.
Laphroaig Single Malt ist in verschiedenen Altersstufen als Eigentümerabfüllung leicht erhältlich. Sogar in Supermärkten ist der 10-jährige dann und wann verfügbar. Den Fachhandel aufsuchen sollte man, wenn man 10-jährigen in Fassstärke und nicht kühlgefiltert genießen möchte.
Dort wird man auch den 15-jährigen finden, und seit 2004 den Laphroaig Quarter Cask, einen 6-7-jährigen Laphroaig, der für ein gutes halbes Jahr in eben die sog. Quarter Casks zur weiteren Endreifung umgefüllt wird. Diese extra angefertigten, nur etwa 100 Liter fassenden Fässer führen zu einem etwa 30% höheren Kontakt des Inhalts mit dem Holz des Fasses, was sich im Geschmack bemerkbar macht. Die ungefilterte und mit 48% Alkoholgehalt abgefüllte Spezialität ist eine Hommage an vergangene Zeiten, in denen die kleinen Fässer auf dem Rücken von Lasteseln transportiert werden konnten.

Auch unter dem neuen Besitzer Fortune Brands sieht Laproaig wohl einer strahlenden Zukunft entgegen. Man hat wie bei Ardmore eine 7-Tage-Woche eingeführt, um die hohe Nachfrage befriedigen zu können, und betreibt die Brennerei mit ihren 19 Mitarbeitern auf vollen Touren. Sie produziert mit etwa 2.200.000 Litern Alkohol pro Jahr am Rande ihrer oberen Kapazitätsgrenze.
Über 10.000 zusätzliche Fässer sind in Lagerhäusern bei der Ardbeg Brennerei untergebracht, die diese aufgrund der großen Lücken in alten Jahrgängen und der relativ geringen Kapazität momentan (noch) nicht benötigt.

Nach gewissen Schwierigkeiten bei der Nachfolge des legendären Iain Henderson als Destillerie-Manager hat diese Aufgabe seit Februar 2006 John Campbell inne, ein geborener Ileach, der seine Karriere bei Laphroaig begann und nun der jüngste Brennereimanager auf Islay ist.
Nicht nur die "Friends of Laphroaig" werden liebevoll gehegt und gepflegt, sie bekamen im Jahr 2003 eine streng limitierte Abfüllung eines 11-jährigen Laphroaig zum 10-jährigen Bestehen dieses Fanclubs, auch zum Islay Festival, das jedes Jahr etwa Ende Mai stattfindet, werden spezielle Jahrgangsabfüllungen herausgegeben. Im Jahr 2007 war es z.B. ein 17-jähriger Jahrgangsmalt (vintage) aus 1989.
Ansonsten sind die Bestände an wirklich alten Jahrgängen durch den großen Erfolg des Laphroaig Single Malt offenbar eher knapp.
Seit der 30-jährige Laphroaig, der etwa um das Jahr 2000 in die Flaschen kam, und 2001 von 4.000 Flaschen 40-jährigem Laphroaig gefolgt wurde, wartete man vergeblich. Nun kamen in 2007 gleich zwei stark limitierte Abfüllungen, die die Lücke durch den zur Neige gehenden 30-jährigen schließen sollen: im August 2007 erschienen 2.500 Flaschen eines 25-jährigen Laphroaig, im Oktober folgten knapp tausend Flaschen eines 1980er Vintage, der in Sherryfässern reifte.
Der neue 25-jährige Laphroaig ist eine Mischung aus in Bourbonbarrels und zum zweiten Male wiederbefüllten Oloroso-Sherryfässern (second refill sherry butts) gereiftem Destillat. Er kommt mit 40% Vol., und ist auch von der Preisgestaltung durchaus geeignet, den 30-jährigen zu ersetzen.
Der in äußerst geringer Auflage erhältliche 27-jährige 1980er Jahrgang (vintage) dagegen stellt eine in jeder Hinsicht einzigartige Premium-Abfüllung dar. Lediglich 12 zum ersten Mal mit Whisky befüllte Oloroso Sherryfässer (first fill butts) in 1980 destillierten Laphroaigs standen für diese einzigartige Abfüllung zur Verfügung. Von diesen 12 werden in den kommenden 4 Jahren immer nur einige auf Flaschen gezogen, so dass z.B. auch im kommenden Jahr wohl an die 1.000 Flaschen dieses Vintage erscheinen werden. Die auf nur 972 Flaschen begrenzte Abfüllung ist nicht kühlgefiltert, und kommt in Fasstärke, die in der ersten Auflage 57,4% Vol.beträgt.
Besonders ist diese Abfüllung auch hinsichtlich ihrer Aufmachung, man muss es heutzutage durchaus einmal erwähnen. Im Gegensatz zu manch anderen Super-Premium-Abfüllungen, die allein schon aufgrund ihrer Verpackung den Anschein erwecken, sie wären eher als reines Spekulationsobjekt für Auktionen und damit zu einem Dasein in Vitrinen von Sammlern konzipiert, ist man bei Laphroaig bewusst einen anderen Weg gegangen. Der 1980er Vintage kommt in der prinzipiell gleichen stabilen Pappröhre wie die Standardabfüllungen, nur hat man das Farbschema umgekehrt, also weiße Schrift auf schwarzem Grund. Und dieses erscheint durchaus edel genug.
Um dem besonderen, ungefärbten Inhalt Rechnung zu tragen, wurde außerdem eine klare Glasflasche verwendet. Sehr gelungen, wie wir meinen, und einmal mehr ist auch die Vermarktung hier wiederum für eine Firma dieser Größe individuell zu nennen: den "Friends of Laphroaig" werden auf der website die ersten 80 Flaschen der neuen Abfüllung vorreserviert zum Verkauf angeboten, bevor die restlichen sich dann leider wohl doch auf die Sammlervitrinen der Welt verteilen. Sind Sie wirklich ein "Friend of Laphroaig" ? Wenn Sie die etwa 750Euro erübrigen können, erwerben Sie dieses Kleinod und....öffnen Sie die Flasche und genießen Sie den mit Sicherheit herausragenden Inhalt....am besten mit "friends" ....
Zum Islay Festival of Malt and Music (Feis Isle) 2008 bringt Laphroaig einen mit 55% Vol. abgefüllten Single Malt mit Namen "Càirdeas" heraus, was auf gälisch "Freundschaft" bedeutet. Im Herbst 2008 dann folgen die angeblich letzten 1536 Flaschen des "normalen" 30-jährigen Laphroaig, der eine Nachreifung in frischen Bourbon Barrels der Brennerei Maker's Mark erhielt, er kommt also als Abfüllung mit einer zweiten Reifung ("double matured").
Auch noch im November 2008 dann wird zusammen mit der neuen 25-jährigen Abfüllung der jetzt-Schwesterbrennerei Ardmore auf dem Travel-Retail Markt eine weitere Abfüllung herausgebracht, der Laphroaig Triple Wood. Er kommt mit 48% nicht kühlgefiltert und ungefärbt wie schon der Quarter Cask, und ist zusätzlich zur Reifung in Bourbon Barrels und Quarter Casks auch noch in Ex-Sherryfässern nachgereift worden. Auch bei dieser Abfüllung und den "Càirdeas"-Abfüllungen haben die "foL" sozusagen wieder über die website der Brennerei das Vorkaufsrecht.
Im Jahr 2009 bringt Laphroaig zum Feis Isle den "Cairdeas" als 12-jährigen heraus, der 10-jährige in Fasstärke wird umgestellt auf 2 batches (chargen, Abfüllungen) jährlich, die sich zukünftig wohl auch in der Alkoholstärke unterscheiden werden.

05/09

Wasser: The Kilbride Dam

Mash tuns: 1 , : 8,5 Tonnen

Washbacks: 6 , : 252.000 Liter

Adresse:
Port Ellen, Islay, PA42 7DU

Tel: 01496 302418
Homepage

Washstills: 3 , : 31.500 Liter

Spiritstills: 4 , : 23.500 Liter

: 2.400.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 2.200.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2006)

Befeuerung: Dampf

Besitzer: Fortune Brands

Es sind weitere Abbildungen zu Laphroaig vorhanden
 

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