Details zur Destillerie Lagavulin

Bedeutung des Namens: "Talsenke mit der Mühle"

Foto von Lagavulin
Lagavulin
Die Destillerie Lagavulin liegt zwischen den Brennereien Laphroaig und Ardbeg an der Südküste der Hebrideninsel Islay. Diese Gegend, nach der die drei Brennereien auch Kildalton-Brennereien genannt werden, war schon seit 1742 ein Hort vieler kleiner illegaler Brennereien.
Lagavulin wurde hier von John Johnston im Jahre 1816 direkt am Ufer der Lagavulin Bucht unweit der Ruine des im 13. Jh. erbauten Dunyvaig Castle gegründet.
Im gleichen Jahr bekam Archibald Campbell eine Lizenz zum Bau der Kildalton Brennerei in unmittelbarer Nachbarschaft zu Lagavulin. Seine Brennerei, die wohl auch den Namen Ardmore trug, überlebte nur wenige Jahre und wurde 1837 unter dem Sohn des Gründers von Lagavulin, Donald Johnston, Teil der Brennerei Lagavulin.
Im Jahre 1867 erwarben die Whiskyhändler James Logan Mackie und Graham aus Glasgow die Brennerei. 1878 trat Peter Mackie, der Neffe James Logans, in die Firma ein und besuchte in diesem Jahr zum ersten Male Lagavulin, wo er das Brennereihandwerk erlernte.
Im Jahre 1890 wurde die Firma nach dem Tod James Logan Mackies in Mackie und Co. umbenannt, zu dieser Zeit kreierte der spätere Sir Peter Mackie den Blend White Horse, mit dem die Brennerei heute noch in Verbindung steht. Er nannte ihn so nach einem alten Gasthaus in Edinburgh in der Nähe seines Geburtshauses. Zusammen mit Alexander Edward erbaute er ein Jahr später außerdem die Brennerei Craigellachie in der Speyside und kaufte Hazelburn in Campbeltown. Lagavulin wurde bereits neben dem Blend White Horse aktiv als Single Malt beworben und sogar in London verkauft.
Peter Mackie besaß bis 1907 ferner die Vertriebsrechte für Laphroaig. Der rastlose Peter, wie er genannt wurde, entschloss sich, nachdem ihm die Vertriebslizenz entzogen worden war, mit Laphroaig zu konkurrieren, und baute eine neue Brennerei unmittelbar an Lagavulin, die er Malt Mill nannte. In ihr versuchte er, den Whisky von Laproaig direkt zu kopieren, was aber misslang. Die Anlage hatte eine eigene Mälzerei mit Kiln und offenem Torffeuer und ein Paar Brennblasen, die denen Laphroaigs nachempfunden waren, teilte sich aber den Maischebottich mit Lagavulin.
Malt Mill überlebte ihren Erbauer, der 1924 verstarb, bis zu ihrer Schließung in 1960. Die Mälzerei ist heute das Besucherzentrum Lagavulins.
Drei Jahre nach Peter Mackies Tod war die inzwischen in White Horse umbenannte Firma die letzte der großen fünf Whiskyimperien der Jahrhundertwende (Big Five: White Horse Distillers, Haigs, Dewars, Walker und Buchanan), die von der Distillers Company Limitedd (DCL) aufgekauft wurde.
1930 übertrug die DCL die operativen Geschäfte für seine über vierzig Malt Brennereien und damit auch Lagavulin an die 1925 erworbene Tochtergesellschaft Scottish Malt Distillers (SMD, 1914 gegründeter Zusammenschluss von fünf Lowland Brennereien).

In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts war die Nachfrage nach Whisky auf einem Tiefpunkt angelangt. Die DCL musste über 20 ihrer mehr als 40 Brennereien stilllegen, viele schlossen so für immer ihre Pforten. Bei Lagavulin wurde nur zwei Tage pro Woche produziert, erst 1991 stellte man wieder auf eine 5-Tage Woche um.
Im Jahre 1987 wurde die DCL von Guiness aufgekauft . Es entstand ein noch größerer Konzern, der sich in die Brauereisparte GBW (Guiness Brewing Group) und die Spirituosensparte UD (United Distillers) gliederte. Unter der Regentschaft der UD wurden 1988 die Classic Malts of Scotland herausgebracht, Lagavulin vertritt hier als 16-jährige Abfüllung die Region Islay.
Zehn Jahre nach der Übernahme der DCL fusionierte Guiness mit Grand Metropolitan, einem gewaltigen Mischkonzern aus Hotelkette, Lebensmittelfirmen und einer großen Spirituosentochter, den IDV (International Destillers and Vintners). Aus dieser Fusion entstand in Jahr 1997 der Spirituosengigant Diageo. United Destillers (UD) und International Destillers and Vintners (IDV) wurden zur Diageo-Tochter United Distillers and Vintners (UDV).
Die UDV bringen die Classic Malts zusätzlich in einer Variante mit einer doppelten Reifung (DoubleMatured) heraus. Lagavulin erfährt ab 1998 in dieser "Distillers Edition" eine Nachreifung in Sherryfässern, die zuvor schweren, süßen Pedro Ximenez-Sherry enthielten.

Lagavulins eigene Mälzerei wurde 1974 geschlossen, die Anlage bezieht ihr mit etwa 35 ppm getorftes Malz seitdem aus der ebenfalls zu Diageo gehörenden Großmälzerei in Port Ellen. Das Malz wird in einem 1996 eingebauten Maischebottich aus Edelstahl, der nur etwa 4,3 to fassen kann auf die anschließende Gärung in einem der zehn hölzernen Gärbottiche aus Lärchenholz vorbereitet. Einige der Gärbottiche sind inzwischen über 60 Jahre alt. Durch den kleinen Maischebottich müssen 28 Maischen stattfinden, um volle Produktion fahren zu können.
Nach der Gärung der Würze, die ca. 55 bis 75 Stunden in Anspruch nimmt, wird die entstandene bierähnliche sog. "wash" in die zwei Rohbrandbrennblasen (wash stills) geleitet. Neben der langen Gärung findet bei Lagavulin anschließend eine außergewöhnlich lange Destillation statt, die fünf Stunden für den Rohbrand in den wash stills und mehr als neun Stunden in den Feinbrandbrennblasen (spirit stills) dauert.
Die 1966 in der heutigen Konstellation installierten 4 Brennblasen wurden wie üblich teilweise erneuert, durch die hohe Belastung war ein völliger Austausch der wash stills im Jahre 2005 und der spirit stills in 2007 notwendig.

Die hohe Belastung erklärt sich durch die bereits vor einigen Jahren eingeführte 7-Tage Woche.
Lagavulin läuft jetzt schon seit einiger Zeit an der oberen Kapazitätsgrenze und produziert so jährlich fast 2,3 Mio. Liter Alkohol. Fast die gesamte Produktion ist inzwischen für die Vermarktung als Single Malt vorgesehen, die Abgabe von Fässern an unabhängige Abfüller längst eingestellt. Lediglich
für den White Horse Blend wird noch Lagavulin reserviert.
Diese Schritte sind eine logische Reaktion auf die andauernde weltweit gestiegene Nachfrage nach hochklassigen Single Malt Whiskies. Lagavulin war bereits kurz nach der 1988 eingeführten sechs Classic-Malts Kampagne der meistverkaufte dieser Reihe und belegte dadurch auch den ersten Platz der Verkaufsliste aller Islaymalts. Als man Ende der 90er Jahre für die 16-jährige Abfüllung dann auf die nun zu knappen in den 80er Jahren gebrannten Lagerkapazitäten zurückgreifen musste, trat eine beständige Verknappung dieser Abfüllung ein, wodurch Lagavulin im Jahre 2001 die Position als meistverkaufter Single Malt von Islay an Laphroaig und Bowmore abgeben musste.

Dadurch, dass seit 1991 wieder mehr Lagavulin produziert wurde, ist man nun seit 2007 aus dem größten Versorgungsengpass für den 16-jährigen heraus. Hinzu kommt allerdings, das zum Einen die 1997 eingeführte Abfüllung der Lagavulin Distillers Edition, ein in Pedro Ximenez Sherryfässern nachgereifter Lagavulin mit sehr ähnlicher Altersstruktur zur 16-jährigen Standardabfüllung, die schwachen 80er Jahrgänge zusätzlich beansprucht. Da die Nachreifung üblicherweise 1-2 Jahre in Anspruch nimmt, kann auch in 2008 und 2009 noch mit einer Verknappung dieser beiden Abfüllungen gerechnet werden.

Lagavulin 16 Years
Zum Anderen muss beachtet werden, dass ab 2002 in den von Diageo 2001 eingeführten "Special Releases" ein 12-jähriger Lagavulin in Fassstärke vertreten ist, der wohl auch zur kurzfristigen Unterstützung der Verkaufszahlen der Marke diente und dient. Er wird bis dato nahezu jährlich neu aufgelegt, so dass dadurch jetzt wiederum auch die in den 90er Jahren gebrannten Vorräte zusätzlich belastet werden. Bei weiter steigenden Absatzzahlen des Lagavulin Single Malt zum Beispiel durch erhöhte Nachfrage auf den Märkten beispielsweise in Fernost könnte dieses durchaus zu einer noch andauernden Verknappung der älteren Abfüllungen führen.
Bereits im Jahre 2006 wurden fast 1 Mio. Flaschen des 16-jährigen Lagavulin Single Malt verkauft, eine Steigerung um fast 10% zum Vorjahr.

An einer Brennerei wie Lagavulin wird somit das große grundsätzliche Problem beim Betreiben einer Whiskybrennerei sehr deutlich: die enorme Zeitverzögerung, mit der geplant werden muss. Auf eine sinkende Nachfrage in einem Jahrzehnt wird mit zurückgefahrener Produktion reagiert. Kommt einige Jahre später eine deutlich steigende Nachfrage, treten unausweichlich Engpässe in den Vorräten für gewisse Altersstufen an Abfüllungen auf.
Um das Abwandern von Kunden durch Nichtverfügbarkeit zu verhindern, kann man kurzfristig nur auf die Herausgabe jüngerer Jahrgänge ausweichen, was wiederum eine anhaltende Verknappung älterer Jahrgänge bedeuten kann.


Vom Lagavulin Single Malt wurden seit der Einführung der Classic Malts 1988 diverse Auflagen der Distillers Edition und der 12-jährigen Abfüllung in Fassstärke herausgebracht, daneben konnten auch einige wenige ältere Abfüllungen realisiert werden:

Lagavulin Cask Strength 12yo 1990-2002, 58%
Lagavulin Cask Strength 12yo 1990-2002, 57,8%, 2nd release
Lagavulin Cask Strength 12yo 1991-2003, 57,8%
Lagavulin Cask Strength 12yo 1992-2004, 58,2%
Lagavulin Cask Strength 12yo 1993-2005, 57,7%
Lagavulin Cask Strength 12yo 1994-2006, 57,1%
Lagavulin Cask Strength 12yo 1995-2007, 56,4%, 12th Special release
Lagavulin Cask Strength 12yo 1996-2008, 56,4%, 13th Special release
Lagavulin Cask Strength 12yo 1997-2009, 57,9%, 14th Special release, 30.000 Fl.

Distillers Edition:
Lagavulin DE 1979-1997
Lagavulin DE 1980-1999
Lagavulin DE 1981-2000
Lagavulin DE 1984-2001
Lagavulin DE 1986-2002
Lagavulin DE 1987-2003
Lagavulin DE 1988-2004
Lagavulin DE 1989-2005
Lagavulin DE 1990-2006
Lagavulin DE 1991-2007
Lagavulin DE 1991-2008
Lagavulin DE 1993-2009

Lagavulin 25yo 1977-2002, 57,2%, 9.000 Flaschen
Lagavulin 21yo 1985-2007, 56,5%, 6.642 Flaschen, First Fill Sherry
Lagavulin 30yo 1976-2006, 52,6%, 2.340 Flaschen


Lagavulin 12yo FOCM, 1995-2008, 48%, first fill sherry casks

Lagavulin only available at the distillery, 1993-2007, cask 4893, 56,5%, Feis Isle 2007
Lagavulin only available at the distillery, 1993-2008, cask 1403, 52,9%, Feis Isle 2008

Aufgrund seiner Knappheit ist Lagavulin von unabhängigen Abfüllern so gut wie gar nicht erhältlich.

Auch wenn Lagavulin noch nicht wieder der meistverkaufte Single Malt der Insel Islay ist, so ist er doch der Überraschungserfolg seit der Einführung der Classic Malts 1988.

Es ist interessant zu sehen, wie sich hochrangige Analysten und Marketingmanager irren können. Das Bild des potentiellen Single Malt Käufers wurde offenbar geprägt von der Idee, man könnte im Zuge der steigenden Nachfrage nach Whisky im Allgemeinen typische Whisky Trinker -die zumeist also einen Blended Malt Whisky mit Malt aus verschiedenen Brennereien verschnitten mit Grain Whiskies konsumierten- auf die Idee bringen, auch einmal eine der geschmackgebenden Einzelkomponenten des Blends in Form eines Single Malts, ausprobieren zu wollen. Dies wollte man durch geschickte Bewerbung gleich einer ganzen Gruppe von Single Malts erreichen; so wurden die damals sechs Classic Malts aus der Taufe gehoben, welche die verschiedenen Whisky Regionen repräsentieren sollten.
Diese Idee war ein zweifellos großer Erfolg, nur hatte man die Rechnung insofern ohne den Verbraucher gemacht, als dass die Verkaufsrangfolge der Classic Malts deutlich anders ausfiel als erwartet.
Die Idee der Classic Malts hatte an sich vorgesehen, dass der Blend-Trinker in seiner Neugier auf die Einzelkomponenten "seines" Blends mit den leichteren Vertretern der Regionen Lowlands und Speyside beginnen würde, und sich bei Gefallen über die Highland Malts quasi vortasten würde zu den geschmacklich würzigsten und kräftigsten Malts der Westküste und Ihrer Inseln. Hierbei erwartete man durchaus auch, dass vielen letztere zu extrem wären, und die Verkaufszahlen dementspechend überschaubar blieben.
Das Gegenteil war und ist der Fall. Lagavulin von Islay und Talisker von der Insel Skye führen mit ihren Abfüllungen die Rangliste der Classic Malts an. Beide sind inzwischen in den Bereich der zehn meistverkauften Single Malts vorgestoßen und zeigen beständiges Wachstum. Dieses ist so stark, dass beständige Verknappungen von Abfüllungen an der Tagesordnung sind, und dementsprechend mit Preiserhöhungen reguliert wird. Letzteres zu unserem Leidwesen. Aber insgesamt gönnen wir diesen entlegenen Urtieren unter den Brennereien ihren Erfolg, sind sie doch dadurch eine unersetzbare Stütze dünn besiedelter und wirtschaftlich schwacher Randzonen.
Es freut uns, dass ein Geschmacksmonster wie Lagavulin alle überrascht hat. Uns nämlich auch.



Der größte Anteil der bei Lagavulin gefüllten Fässer wird inzwischen in einem Großlager auf dem schottischen Festland gelagert. Nur einige tausend Fässer lagern zum Teil in den Lagerhäusern der Brennerei selbst, einige weitere bei Caol Ila, einige tausend weitere in den Lagerhäusern der 1983 stillgelegten Brennerei in Port Ellen.
Im April 2007 ging der Brennereimanager Donald Renwick nach Royal Lochnagar, sein Nachfolger wurde nach einigem Hin und Her Graham Logie, der zuvor bei Talisker tätig war, und wenig Probleme mit dem Leben auf einer Insel haben dürfte, zumal er ein auf Islay gebürtiger sog. Ileach ist.

11/09

Mash tuns: 1 , : 4,3 Tonnen

Washbacks: 10 , : 220.000 Liter

Adresse:
Port Ellen, Islay, PA42 7DZ

Tel: 01496-2250
Homepage

Washstills: 2 , : 22.000 Liter

Spiritstills: 2 , : 25.000 Liter

: 2.250.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 2.250.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2007)

Befeuerung: Dampf

Besitzer: Diageo

Es sind weitere Abbildungen zu Lagavulin vorhanden
 

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