Details zur Destillerie Glentauchers

Bedeutung des Namens: "Tal des Windes"

Foto von Glentauchers
Glentauchers
Die Brennerei Glentauchers liegt unmittelbar an der Straße zwischen Keith und Rothes in der Speyside vor dem Hintergrund des Forstes von Craigellachie inmitten einer offenen Wiesenlandschaft. Sie wurde von 1897 bis 1898 dort durch James Buchanan erbaut, den zu dieser Zeit sehr erfolgreichen Entwickler von Scotch Blended Whisky Marken, und seinem Hauptlieferanten W.P. Lowrie, dem Besitzer einer großen Whiskyhandelsfirma in Glasgow. Einmal mehr wurde als verantwortlicher Hauptarchitekt Charles Doig verpflichtet. Ausschlaggebend für die Lage der Brennerei war zum einen die gute Anbindung an das damalige Straßen- und vor allem auch Schienennetz. Direkt hinter der Brennerei verläuft die Bahnstrecke von Aberdeen nach Inverness, zu der eine Trasse gebaut wurde.
Der andere Grund war die Wasserversorgung, die hier so gut und reichhaltig war, dass ein Damm errichtet wurde, durch den eine Turbine betrieben werden konnte, die sämtliche Maschinerie der Destillerie antrieb.
James Buchanan hatte im ausgehenden 19. Jahrhundert erfolgreich den Buchanan Blend am Markt etabliert, und exportierte ihn sowohl nach England, aber auch nach Deutschland, in die USA und Südamerika, ja sogar bis nach Neuseeland. Da er der Ansicht war, dass sein Blend nur ausgewählten, für die damalige Zeit ausgereiften Malt Whisky enthalten sollte, lag somit der Bau einer eigenen Brennerei zur Versorgung seines Blends mit Malt nahe. Etwa zur gleichen Zeit ließ Teacher zur Versorgung seines Teacher's Highland Cream Blends die Brennerei Ardmore südlich von Huntly errichten, ebenfalls an der Bahnlinie errichten, kurz vorher hatte Dewar mit Aberfeldy eine eigene Destillerie für seinen Blend erbaut.

Im Jahr 1905 übernahm Buchanan die Firmenanteile seines Hauptlieferanten Lowrie, der sich zur Ruhe setzte, und der etablierte Buchanan Blend in der schwarzen Flasche mit dem weißen Etikett wurde umgetauft und als eingetragene Marke registriert, nämlich Black & White.
Dieser Blend hatte in den folgenden Jahren einen enormen Absatz im Export und gehörte zu den erfolgreichsten seiner Zeit, wenngleich er heute nur noch auf Rang 20 der Liste der weltweit meistverkauften Scotch Blended Whiskies steht.
Im Jahr 1915 schlossen sich Buchanan und John Dewar & Sons Ltd. wegen des Konkurrenzdrucks durch die beständig mächtiger werdende DCL (Distillers Company Limited) zusammen zur Firma Scotch Whisky Brands, blieben aber nur bis 1925 unabhängig, als sie zusammen mit John Walker & Sons Ltd. der DCL beitraten.
Vor dieser Fusion hatten Buchanan und Dewar bei Glentauchers bereits weitreichende Verbesserungen in der Mälzerei, dem Maischehaus und der Fassabfüllung durch die Firma Charles Doig & Son durchgeführen lassen.

Die DCL übergab die operativen Geschäfte für die meisten Brennereien inklusive Glentauchers an die 1925 ebenfalls übernommenen SMD (Scottish Malt Distillers).
Abgesehen von der üblichen Schließungsperiode während des zweiten Weltkrieges wurde Glentauchers von SMD kontinuierlich zur Versorgung der Blended Scotch Whiskies betrieben. Die Anlage erfuhr in den Jahren 1965-66 eine komplette Renovierung mit neuem Maischeraum, Gärraum und einer Verdreifachung der Kapazität von zwei auf sechs Brennblasen in einem neu gebauten Brennhaus, wie es in ähnlicher Art bei vielen anderen durch die SMD geführten Brennereien Verwendung fand, z.B. bei Talisker, Caol Ila, Clynelish, Glen Ord, Craigellachie oder Aberfeldy. Ebenfalls typisch für diese Zeit war die Aufgabe der eigenen Tennenmälzerei, die bei Glentauchers von der SMD 1969 durchgesetzt wurde. Trotz dieser umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen entging auch Glentauchers den harten Sanierungsmaßnahmen innerhalb der DCL Anfang der achziger Jahre, als ein Überangebot an Whisky einer extrem sinkenden Nachfrage entgegenstand, letzendlich nicht. Die Brennerei wurde von der zweiten Welle der Brennereischließungen erfasst und 1985 von der DCL eingemottet.

Glentauchers
Überraschenderweise wurde sie 1989 dann vom Nachfolger der inzwischen ebenfalls durch Guiness übernommenen DCL, den United Distillers, an Allied Distillers abgegeben, welche die Anlage 1990 wieder anfahren ließen zur Sicherung der Maltversorgung für ihren Top Blend Ballantine's. Im folgenden Jahr fand vorübergehend keine Produktion statt, da Allied notwendige Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten vor allem am Reinigungsequipment für die Heizungsanlagen durchführen ließ. Ab 1992 wurde dann wieder Whisky hergestellt.
Im Jahr 2005 kam es mit der Übernahme Allied Domecqs durch Pernod Ricrad erneut zu einem Besitzerwechsel, die Brennerei läuft seitdem unter der britischen Whiskytochter Pernods, Chivas Brothers.
Ein Jahr nach der Übernahme gab Pernod bekannt, dass in 2006 und 2007 die Anlage zeitweise für erneute Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten geschlossen werden würde, wovon wir uns bei unserem Besuch selbst ein Bild machen konnten.
Nur Teile der Produktion werden in zwei Hochregallagerhäusern gelagert, die etwa 6.000 Ex-Bourbonfässer aufnehmen können, der Rest wird zentral in Keith gelagert.


Obwohl die Brennerei nun durch fast alle großen Hände durchgereicht wurde, und mindestens einmal der kompletten Schließung nur knapp entging, stellt sie einen typischen Speyside Single Malt her, der sich hinter keinem der großen Namen der Region zu verstecken braucht. Er wurde nur nie vermarktet, weil die Brennerei immer hauptsächlich dem Ziel diente, für das sie ursprünglich von einem der großen fünf Whiskybarone seiner Zeit auch erbaut worden war: Malt für Blends bereitzustellen. Waren Allied Distillers nicht gerade berühmt dafür, die Schätze, die in ihren Destillerien produziert wurden, auch selbst abzufüllen, so bleibt zumindest abzuwarten, ob sich das auch unter dem neuen Besitzer Pernod Ricard nicht ändern wird.
Im Jahr 2000 erschien einmal eine 15-jährige Eigentümerabfüllung unter der Regie von Allied, zusammen mit ähnlichen Abfüllungen fast aller ihrer Brennereien; sie war allerdings nur in geringer Auflage auf den Markt gekommen, und wohl hauptsächlich für interne Zwecke gedacht. Wie auch bei anderen dieser Abfüllungen hat der neue Besitzer wohl Vorräte dieser Abfüllungen entdeckt, und erneut 2006 eine größere Charge unverändert auf den Markt gebracht.
Ansonsten war es Gordon & MacPhail zu Zeiten Allieds vorbehalten, diesen Malt in ihrer sog. Allied Reihe abzufüllen und zu vermarkten, was sie auch mit verschiedenen Jahrgängen ähnlich wie bei Ardmore, Imperial, Balblair, Pulteney und Scapa taten. Es gab unter anderem einen 1979er, einen 1984er, und aktuell ist auch nach dem Besitzerwechsel ein 1990er Jahrgang von G&M zeitweise erhältlich. Auch Douglas Laing und Duncan Taylor brachten vor kurzem Glentauchers-Abfüllungen aus 1990 heraus. Ansonsten ist der Malt aber nur schwer zu finden. Er bleibt einer der wenigen unbekannten Schätze der Speyside.
01/08

Wasser: Rosarie Burn

Mash tuns: 1 , : 12,0 Tonnen

Washbacks: 6 , : 360.000 Liter

Washstills: 3 , : 30.000 Liter

Spiritstills: 3 , : 31.500 Liter

: 3.400.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 1.900.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2000)

Befeuerung: Dampf

Besitzer: Pernod-Ricard

 

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