Details zur Destillerie Dalmore

Bedeutung des Namens: "Großes Wiesenland"

Foto von Dalmore
Dalmore Distillery
Der Name Dalmore ist halb gälisch, halb altnordisch und bedeutet "großes Wiesenland". Die Brennerei liegt nördlich von Inverness am Ufer des Cromarty Firth, gegenüber den fruchtbaren großen Wiesen der Black Isle.

Die Geschichte der Destillerie Dalmore begann mit der Gründung 1839 auf der Ardross Farm durch den Besitzer des Anwesens, Alexander Matheson, einem Partner in der Hongkonger Handelsfirma Jardine Matheson. Er verpachtete Dalmore noch im gleichen Jahr an die Familie Sutherland, wobei Margret Sutherland ab 1860 die Leitung der Brennerei inne hatte.
Im Jahr 1867 wurde die Destillerie neu verpachtet, die Brüder Charles, Andrew und Alexander Mackenzie führten jetzt die Brennerei. Ihr Wappen, der Kopf eines Hirsches mit Zwölfendergeweih, ziert bis heute die Flaschen der Originalabfüllungen des Dalmore Single Malt.
Unter der Regentschaft der Mackenzies war Dalmore im Jahr 1870 der erste Malt Whisky, der nach Australien exportiert wurde.
1886 starb Alexander Matheson und Sir Kenneth Matheson verkaufte 1891 die Brennerei für 14.500 Pfund an die Mackenzie Brüder; diese gründeten die Mackenzie Brothers Company.
1874 wurde die Anzahl der Brennblasen (stills) von zwei auf vier verdoppelt und ein zweites Brennhaus gebaut.
Während des 1. Weltkriegs zog die Britische Admiralität 1917 bei Dalmore ein, um Tiefseeminen für die US-Streitkräfte herzustellen. Als die Navy 1920 Dalmore wieder verließ, war ein Teil der Brennerei durch eine Explosion beschädigt. Da die Brennblasen unversehrt blieben, war die Brennerei zwar 1922 in der Lage, den Betrieb wieder aufzunehmen, doch Andrew Mackenzie und die Royal Navy konnten sich nicht auf eine Entschädigung einigen. Das von Mackenzie angestrengte Gerichtsverfahren dauerte mehrere Jahre und führte 1925 bis in das britische Oberhaus.
Im Jahr 1956 wurden die eigenen Mälzböden aufgegeben und ein Saladin-Box Mälzsystem installiert, das bis 1981 in Betrieb war. Seitdem wird das Malz von der Großmälzerei Baird's of Inverness bezogen.
1960 vereinigten die Mackenzie Brüder ihr Unternehmen mit ihrem Hauptabnehmer, der Glasgower Blenderfirma Whyte and Mackay Distillers Ltd.
Mit dem folgenden Aufschwung begannen 1964 weitere Modernisierungen, 1966 wurde die Anzahl der Brennblasen erneut verdoppelt, es sind jetzt acht stills, wobei die neuen kleiner sind als die alten.
Die 20 Mitarbeiter der Brennerei haben trotz der Modernisierungen einen für die heutige Zeit beinahe anachronistisch anmutenden Arbeitsplatz, die Anlage verfügt über eine bemerkenswerte Einrichtung für die Erzeugung ihrer über 3.000.000 Liter Whisky jährlich:
Das Maischehaus beherbergt einen 9,2 Tonnen fassenden Maischbottich (mash tun) aus Edelstahl. Ihm nachgestellt sind acht Gärbottiche (wash backs) aus Douglasienholz, die jeweils 49.500 Liter wash aufnehmen können. Destilliert wird im Brennhaus zunächst in vier Rohbrandbrennblasen (wash stills), von denen die größeren jeweils 30.004 Liter fassen, die beiden kleineren je 13.411 Liter. Der hier erzeugte Rohbrand (low wines) wird in den vier vorhandenen Feinbrandbrennblasen (spirit stills) erneut gebrannt. Die großen Spirit Stills können je 19.548 Liter Destillat aufnehmen, die kleineren jeweils 8.865 Liter.
Sind die Wash Stills schon sehenswert wegen ihres gekappten Schwanenhalses, so gilt dieses umso mehr für die Spirit Stills. Sie haben eine Kupferummantelung des Halses, der als Wasserkühlung zur Erhöhung des Rücklaufs fungiert. Die Feinbrandbrennblasen wirken damit wie Schornsteine einer Dampflok, und zumindest der Mittelteil einer dieser Destillierapparate ist auch mindestens ebenso alt, er datiert zurück bis auf das Jahr 1874.

Im Jahr 1990 kaufte American Brands Inc. (u.a. Jim Beam, aber auch Golfausrüstungen, Bürobedarf u.v.m.) Whyte and Mackay durch ihre damalige Tochter Gallaher Tobacco und veranlasste 1991 den Bau eines neuen Maischeraums. American Brands besaß nun drei Malt Brennereien mit Dalmore, Fettercairn und Tomintoul. In 1993 akquirierte man zusätzlich Invergordon Distillers mit den Malt Brennereien Isle of Jura, Tamnavulin und Bruichladdich. Die Strategien der alteingesessenen Whiskyunternehmen divergierten jedoch sehr von denen der Amerikaner. Um profitabler zu werden, wurde 1995 die Stilllegung Bruichladdichs und Tamnavulins beschlossen. Viele Restrukturierungsprogramme folgten, u.a. mehrere Umbenennungen; man benannte sich um von American Brands in Fortune Brands, um der internationalen Ausrichtung Rechnung zu tragen; die Spirituosensparte wurde zu Jim Beam Brands, die akquirierten schottischen Anteile sollten zu Jim Beam Brands Greater Europe werden. Da alle diese Maßnahmen wenig Erfolge verzeichneten, wurden 2000 sogar Tomintoul, 2001 dann Bruichladdich wieder abgestoßen.
Die starken auch personellen Umstrukturierungen führen 2001 zum Unmut der Manager in Schottland, es kam zum größten Management-Buy-Out der Whiskygeschichte: die Manager der Jim Beam Brands Greater Europe kaufen diesen Teil des Unternehmens von der amerikanischen Muttergesellschaft und benennen sich um in Kyndal Spirits. Die vier übernommenen Malt-Brennereien Jura, Dalmore, Fettercairn und Tamnavulin sind wieder in schottischer Hand.
Im Jahr 2003 erfolgt die erneute Umfirmierung zurück zum alten klangvollen Namen, Whyte and Mackay. Seit dem Management Buy Out erleben die drei operierenden Destillerien des "neuen" Whyte and Mackay einen regelrechten Aufschwung. Dieser hatte bei Dalmore jedoch bereits Ende der neunziger Jahre noch unter Fortune Brands begonnen, da man sich dort v.a. auf diese Brennerei und Jura konzentriert hatte.

Nicht ganz unbeteiligt am Erfolg des Dalmore Single Malt ist mit Sicherheit aber auch Richard Patterson. In der dritten Generation Master Blender, begann er seine Karriere bereits 1970 bei Whyte and Mackay und überstand als einer der ganz wenigen unbeschadet die Irrungen und Wirrungen der letzten Jahre. Mit 26 Jahren wurde er jüngster schottischer Master Blender und ist definitiv ein Genie seines Faches.
Die Verkaufszahlen-Verdoppelung des Dalmore Single Malts zwischen 1998 und 2004 dürfte also nicht zuletzt auf das Konto seiner unbestechlichen Nase bei der Auswahl der Fässer für die Abfüllungen gehen.
Bis vor wenigen Jahren war dabei der 12jährige Dalmore der einzige allgemein erhältliche Single Malt in Eigentümerabfüllung. Er stellt ein Vatting aus ca. 30% sherryfassgelagertem und 70% bourbonfassgelagertem Destillat dar. Ihm wurden 2002 ein 21-jähriger Dalmore hauptsächlich für den US-Markt, der hauptsächlich in Ex-Bourbonfässern reifte, sowie der von Patterson speziell für Zigarrenliebhaber konzipierte sherrylastigere Dalmore Cigar Malt zur Seite gestellt. Ein Jahr später folgte ein als Jahrgangswhisky (Vintage) ein 30jähriger Dalmore aus 1973 mit 42% Vol. in begrenzter Auflage, der eine Nachreifung in Matusalem- Sherryfässern der edlen Bodega Gonzales Byass erfahren durfte.

Dalmore Black Pearl
Für den Travel Value Markt kam dann in 2004 der 12jährige Dalmore Black Isle auf den Markt mit einem höheren Sherryfassanteil als der normale 12-jährige. Ihm folgte 2005 der ebenfalls 12-jährige Dalmore Black Pearl mit einer langen 15-monatigen Nachreifung in Madeirafässern.
Aus den zehn traditionellen Lagerhäusern vor Ort mit ihren erdenen Böden und über 70.000 lagernden Fässern sind während der letzten Jahre aber auch noch ganz spezielle Schätze aufgetaucht, wie z.B. 50-jähriger und sogar ein 62-jähriger Dalmore. Eine der zwölf Flaschen des letzteren erzielte 2002 bei einer Auktion einen Preis von fast 40.000 Euro, so dass diese Abfüllung vorübergehend die teuerste Flasche Whisky der Welt war.

War gegen Ende 2006 bereits einmal ein neuer Internetauftritt zur Einführung einer neuen Produktpalette geplant, nachdem dieses bereits beim Isle of Jura und den Whyte and Mackay Blends vollzogen worden war, so wurde er kurzfristig wieder verschoben und die alte Seite wieder online gebracht. Hintergrund waren die nicht verstummenden Gerüchte der Übernahme Whyte and Mackays durch die indische UB-Group (United Breweries), einen Giganten, der auch viele indische Brennereien sein Eigen nennt. Geleitet wird dieses Imperium durch den indischen Milliardär Dr. Vijay Mallya, der außerdem Abgeordneter des indischen Parlaments, Besitzer der Kingfisher-Fluggesellschaft und anderer Kleinigkeiten ist.
Nach dem Management Buy Out hatten sich der südafrikanische Unternehmer Vivian Immerman und sein Schwager Robert Tchenguiz nach und nach des Großteils der Aktien bemächtigt, und einen harten Kurs gefahren, um Whyte and Mackay wieder so profitabel werden zu lassen, dass sie es mit Gewinn weiterverkaufen konnten. Über 150 Mio. Euro wurden in eine Neupositionierung des Unternehmens und seiner Produkte weg von der Bulk und Private Label Whisky Herstellung und hin zu Premium Marken investiert.
Die Übernahmegerüchte zogen sich bis in das späte Frühjahr 2007, bei unserem Besuch der Brennerei im Herbst war der Verkauf dann allerdings bereits unter Dach und Fach.
Der Verkauf Whyte and Mackays und damit auch der Brennerei Dalmore eröffnet der Marke vermutlich in Zukunft enorme Zuwachsraten vor allem auch auf dem indischen Markt, auf dem bisher nur 1% aller verkauften Whiskyflaschen aus Schottland stammt.
Nach dem fast ein Jahr dauernden Tauziehen um den Verkaufspreis tauchten dann Ende des Jahres die ersten Abfüllungen des Dalmore Single Malt in der neuen Aufmachung auf dem britischen Markt auf, und sind seit Frühjahr 2008 nach und nach auch auf dem europäischen Festland erhältlich. Sie spiegeln sowohl von der Verpackung wie auch von der Preisgestaltung die Absicht wider, Dalmore im Premiumsegment ansiedeln zu wollen.

Der 12-jährige Dalmore bleibt als solcher erhalten, allerdings wurde der Anteil des in Sherryfässern gelagerten Malts auf 50% erhöht, so dass das Verhältnis jetzt bei 50% Ex-Oloroso Sherry zu 50% First Fill Ex-Bourbonfässer liegt. Der erfolgreiche Dalmore Cigar Malt wird eingestellt und durch den Dalmore Gran Reserva ersetzt, der nach wie vor keine Altersangabe trägt, aber wohl aus 10-14 Jahre gelagerten Fässern zusammengestellt (gevattet) wird, mit einem Verhältnis von 60% Ex-Oloroso Sherry zu 40% First Fill Ex-Bourbonfässern im Vatting. Aufgrund der schärfer werdenden Anti-Raucher Gesetze ist die Einstellung eines Malts, der den Begriff Cigar enthält, nur eine logische Marketingmaßnahme. Schließlich soll er auch an Nichtraucher verkauft werden. Durch die Erhöhung des Sherryfassanteils im 12-jährigen Standard-Dalmore wird die für den Duty-Free Markt produzierte Black-Isle Abfüllung wohl ebenfalls eingestellt werden. Ob hierfür der 12-jährige dort verstärkt angeboten wird, ist uns noch nicht bekannt.
Völlig neu in der Palette der Dalmore Reihe ist ein 15-jähriger, der zu 100% aus in Ex-Oloroso-Sherryfässern (Amoroso, Apostoles und Matusalem) gelagertem Destillat besteht. Er ist eine hervorragende Ergänzung und schließt die bisher zwischen dem 12- und 21-jährigen vorhandene Lücke.
In unseren Augen eine leise Wucht.....

Nach oben ergänzt wird die Reihe durch den Dalmore 1263 King Alexander III, der ein Vatting aus in Cabernet Sauvignon-Barrique-Weinfässern, Ex-Bourbonfässern, Ex-Oloroso-Sherryfässern, Ex-Portweinfässern, Ex-Marsalaweinfässern und Ex-Madeiraweinfässern gelagertem Malt darstellt. Nicht wirklich klar ist, ob diese Abfüllung den bisherigen 21-jährigen ersetzen wird, oder ob es von letzterem eine neue Auflage geben wird.

Einen Nachfolger des 30 jährigen Dalmore 1973er Vintage jedenfalls gibt es wiederum inzwischen, er ist im gleichen Jahr destilliert worden und hat nun stolze 33 Jahre zunächst in Ex-Bourbonfässern und in einer zweiten Reifung diesmal in Cabernet Sauvignon Weinfässern des edlen Chateaus Haut Marbuzet verbracht.

Vergleicht man den King Alexander III rein äußerlich mit dem 21-jährigen Dalmore, oder den 30-jährigen mit dem 33-jährigen Vintage aus 1973, so sieht man hier wohl am deutlichsten den neuen Anspruch Whyte and Mackays. Kamen auch die gehobenen Abfüllungen bisher in Pappschachteln, die denen der Standardabfüllung glichen, so bekommt man beim neuen Vintage eine halbe Kommode dazu. Allerdings auch zum beinahe dreifachen Preis.

Nach ganz weit oben wird das Sortiment dann mit einem 40-jährigen Dalmore aus 1966 in einer auf 1.000 Flaschen limitierten Auflage abgerundet. Auch er kommt natürlich in einer entsprechenden Aufmachung und ist für etwa 2.000 Euro zu haben. Außerdem soll es auch wieder einige ganz wenige Flaschen eines superalten 64-jährigen Dalmore geben. Derartig lange gereifte Whiskies sind in Eigentümerabfüllung extrem selten und immer eine von Sammlern gesuchte Rarität.

Solange die Qualität der Abfüllungen des unteren und mittleren Preissegments jedoch -wie hier geschehen- bei nur minimaler Preisentwicklung dabei dann auch noch steigt, kann es dem geneigten Whiskygenießer eigentlich nur recht sein, dass die Brennerei durch derartige Abfüllungen im gerade vom Marketing dafür erfundenen Über-Premium-Segment etwas für ihren Ruf tun kann: Brennereien vom Ruf eines Macallan, Laphroaig, Ardbeg oder Talisker werden bei abflauender Whisky-Konjunktur nicht so leicht geschlossen....

Der neue Internetauftritt ist inzwischen auch abgeschlossen.
Aktuell gibt es Ende 2008 die neue Auflage eines 50-jährigen Dalmore Single Malt mit 52,8% Vol. Die nur 191 handgeblasenen Kristalldekanter, die mehr einem zu groß geratenen Parfumflakon ähneln, sollen etwa 7.000 Euro das Stück kosten.

Nur wenige Brennereien haben überhaupt die nötigen Bestände, um solche Kostbarkeiten anbieten zu können.
11/08



Mash tuns: 1 , : 9,2 Tonnen

Washbacks: 8 , : 396.000 Liter

Adresse:
Alness, Rossshire, IV17 0UT

Tel: 0044-1349-882362
Fax: 0044-1349-883655

Homepage

Washstills: 4 , : 86.830 Liter

Spiritstills: 4 , : 56.826 Liter

: 4.000.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 3.200.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2007)

Befeuerung: Dampf

Besitzer: Whyte and Mackay

Es sind weitere Abbildungen zu Dalmore vorhanden
 

Interaktive Karte: