Details zur Destillerie Bunnahabhain

Bedeutung des Namens: "Mund des Flusses"

Foto von Bunnahabhain
Bunnahabhain Brennerei
Die Brennerei Bunnahabhain wurde 1881 an der Mündung des Flusses Margadale in den Sund von Islay von William Robertson (Robertson & Baxter) zusammen mit von den ortsansässigen Bauern William und James Greenlees erbaut. Die Greenlees hatten zu diesem Zweck mit James Ford schon 1879 die Islay Distillers Company gegründet. Im Jahr 1887 fusionierte die Firma mit W.Grant & Co. , die 1878 Glenrothes gebaut hatten, zu Highland Distilleries, in deren Besitz sie bis 1999 blieb.
Unter Highland Distillers wurde Bunnahabhain 1963 von 2 auf 4 Stills ausgebaut. Ab 1970 wurde er regelmäßig als Single Malt abgefüllt, ältere Abfüllungen sind selten, aber legendär.

Den Anfang der Abfüllungen mit hohem Alter dürfte in den 90er Jahren ein Bunnahabhain aus 1963 gemacht haben, der keine Altersangabe trägt, so dass eine genaue Angabe schwer fällt. Er wird auf
ca. 30 Jahre geschätzt. Deutlich mehr alte Jahrgänge kamen erst nach der Jahrtausendwende auf den Markt.
In 2001 erschien zum 120-jährigen Bestehen der Brennerei ein Bunnahabhain aus 1965 in einer Auflage von 594 Flaschen mit 53,9% Vol.
Im März 2002 erschien ein 35-jähriger aus 1966 in einer Auflage von 401 Flaschen, danach kam im September ein auf 156 Flaschen begrenzter Jahrgangswhisky aus 1980 mit 42,3%, gefolgt vom Bunnahabhain Auld Aquaintance, einem an Sylvester 1968 destillierten Single Malt, der Sylvester 2002 auf 2002 Flaschen gezogen wurde in einer Stärke von 43,8% Vol., die sog. Hogmanay Edition (engl. Hogmanay = Sylvester).
Zum Islay Festival of Malt and Music (Feis Isle) 2003 gab man einen 40-jährigen Bunnahabhain aus 1963 in einer Auflage von 743 Flaschen mit 42,9% Vol. heraus. Im gleichen Jahr erschien eine 34 Jahre in Sherryfässern gelagerte auf 1620 Flaschen limitierte Abfüllung mit 43,5 %. Im Jahr 2004 brachte man wie unten beschrieben den 6-jährigen Bunnahabhain Moine, in 2005 dann einen 12-jährigen Port Wood Finish, der also in Portwein-Fässern nachreifen durfte, in einer Limitierung auf 766 Flaschen mit 53,4% Vol. zum Feis Isle.
Zum Feis Isle 2006 erschien ein 14-jähriger Bunnahabhain mit 52,6% Vol., der in einem Pedro Ximenez-Sherryfass nachgereift war, das 761 Flaschen ergab. Darüber hinaus erschien beinahe gleichzeitig ein 14-jähriger erneut im Portweinfass nachgereifter Bunnahabhain mit 53% Vol. in einer Auflage von 1220 Flaschen.
Zum 125-jährigen Jubiläum der Brennerei wurde außerdem ein aufwändig verpackter 35-jähriger aus 1971 unverdünnt mit 44,9% Vol. abgefüllt.
Zum Festival 2007 wurde ein 16 Jahre in einem Oloroso-Sherryfass gereifter Whisky gewählt, in einer Auflage von 190 Flaschen mit 54% Vol., in 2008 dann gab man zum Feis Isle einen 21-jährigen mit 46,7 % Vol. heraus.

Bei allen diesen Abfüllungen, von denen noch Flaschen kursieren, zeigt sich in den letzten Jahren auch hier durch die hohe Nachfrage nach Single Malt Whisky bei Auktionen eine zum Teil rasche Wertsteigerung, die zwar verglichen mit den Abfüllungen anderer Brennereien noch im Rahmen liegt, aber dennoch dem Genießer weniger Freude bereitet als dem Sammler.
Bei Bunnahabhain versuchte man wohl dieser Spekulationsmentalität entgegen zu wirken, indem man den Ausgabepreis der 2008er Abfüllung sehr hoch ansetzte.

In 1999 gingen die Highland Distillers an die 1887 Group. (die zu 70% der Edrington-Gruppe, zu 30% Wm.Grant & Sons gehört)
Mit Highland Distillers gingen außer Bunnahabhain auch noch Glenglassaugh, Glengyone, Glenturret, Tamdhu und so enorme Destillerien wie Glenrothes, Macallan und Highland Park an die 1887 Group. Die Edrington Group sah sich kaum in der Lage, alle Brennereien voll zu betreiben und zu vermarkten. Man wünschte sich eine Konzentration auf die bereits durch Highland Distillers aufgebauten großen Marken und den miterworbenen Blend Famous Grouse. Glenglassaugh blieb eingemottet, Glengoyne und Bunnahabhain wurden kaum vermarktet.
Bei Bunnahabhain wurde zwischen 1999 und 2003 nur wenige Wochen im Jahr gebrannt, um keine zu großen Lücken in den Beständen aufkommen zu lassen und genügend Malt für Famous Grouse zu erzeugen.
Beim Wunsch Edringtons zum Verkauf bot sich Grant zwar als Käufer für die restlichen 70% an, aber man wurde sich nicht einig.
Edrington verkaufte schließlich in 2003 Bunnahabhain für etwa 16 Mio. Euro an Burn Stewart Distillers, Glengoyne ging an Ian McLeod.
Kurz darauf wurde Burn Stewart von CL World Brands mit Sitz in Trinidad gekauft.

Bunnahabhain gilt in der aktuellen Brennart als der leichteste und so gut wie ungetorfte Islay Malt. Man bezieht Malz mit 1-2 ppm von Port Ellen und gänzlich ungetorftes vom Festland.
Durch die verstärkte Konzentration des neuen Besitzers auf seine 3 Brennereien (Burn Stewart besitzt auch noch Deanston auf dem Festland und Tobermory auf Mull) mit Bunnahabhain als Flaggschiff-Destillerie gibt es seit 2005 außer der 12-jährigen Standard-Originalabfüllung nun auch noch 18-jährigen und zuerst limitierten 25-jährigen Single Malt in Eigentümerabfüllung. Darüber hinaus verpasste man den Abfüllungen eine neue Verpackung und investierte mehr in die Werbung.

Bereits unter den Vorbesitzern wurde seit etwa 1997 mit bis zu 38ppm getorftem Malz experimentiert, hauptsächlich angeblich für die Verwendung in Blends.
Ein Großteil der aktuellen Produktion wird ohnehin nach wie vor für namhafte Blends verwendet, man hat Verträge mit der Edrington Group über etwa 600.000 Liter, die weiterhin für den Famous Grouse verwendet werden. Außerdem trägt Bunnahabhain wie zu alten Zeiten zusammen mit Glenrothes zum Blend Cutty Sark bei. So machen die Verträge mit den Vorbesitzern noch einen großen Teil der jährlich erzeugten Menge Whiskies aus.

Bunnahabhain 12 Years
Seit Burn Stewarts Regentschaft ist Bunnahabhain aber außerdem "The Spiritual Home of The Black Bottle", des legendären Blends also, der in der 10-jährigen Abfüllung Anteile aller operierenden Islay-Brennereien enthält und dessen Markenrechte sich ebenfalls im Besitz Burn Stewarts befinden. Es steht zu vermuten, dass vor allem für den Black Bottle getorfter Bunnahabhain produziert werden muss, da die Mengen, die von den anderen Brennereien beigesteuert werden können, aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage nach Blended und Single Malt Whisky, stetig geringer werden dürften. Lagavulin ist seit Jahren immer knapp, und auch z.B. Ardbegs neue Besitzer dürften kaum Interesse an der Abgabe von Fässern zeigen.

Das erste Mal trat der getorfte Bunnahabhain auf dem Islay Festival of Malt and Music (Feis Isle) 2004 aus dem Schatten der Lagerhäuser heraus, wurde er nämlich dort vom Eigentümer als 6-jährige Einzelfassabfüllung unverdünnt mit 59,6% Vol. und auf 310 Flaschen begrenzt unter der Bezeichnung "Moine" (gälisch für Torf) abgefüllt.
Rechtzeitig vor Weihnachten 2006 überraschte dann der unabhängige Abfüller Signatory erstmalig mit 9-jährigem getorftem Bunnahabhain aus der Destillation des Jahres 1997. Signatory hat offenbar mehrere Fässer der getorft gebrannten Variante des Bunnahabhain erwerben können, denn auch in 2007 und 2008 bringt dieser Abfüller immer noch Einzelfassabfüllungen davon heraus, die seit Beginn 2008 dann nominell auch 10-jährig sind.
Wir waren also sehr gespannt, wann die erste Eigentümerabfüllung dieser getorften Brennvariante mit Altersangabe in nennenswerter Auflage folgen würde. Sollte der Trend zu rauchig-torfigen kräftigen Whiskies anhalten, würde man dieses Geschäft auch bei Bunnahabhain sicher nicht nur den anderen überlassen wollen. Die Vermutung, dass man mit einer Eigentümerabfüllung wohl würde warten wollen, bis auch diese Variante im Alter zu der lang etablierten 12-jährigen Standardabfüllung aufgeschlossen hat, schien sich zu bestätigen.
Nun allerdings ist auf Umwegen auch hier bei uns in Deutschland eine 10-jährige Originalabfüllung der getorften Brennvariante aufgetaucht, die wohl bereits 2007 nur für den französischen Markt abgefüllt wurde. Sie trägt neben der Altersangabe die Bezeichnung "Toiteach" (gälisch für rauchig) und kommt sogar mit starken 46% Vol. und nicht kühlgefiltert.
Weder auf der Homepage der Brennerei noch sonst ist viel über die Abfüllung zu erfahren. Uns hat sie sehr geschmeckt und wir hoffen auf eine Fortsetzung der Abfüllung auch der getorften Variante vom Eigentümer, die sich geschmacklich deutlich von den stark getorften Single Malts der Südküste unterscheidet.
Im November 2008 dann erscheint die erste Abfüllung speziell für den Duty Free bzw. Travel-Retail Markt v.a. an Flughäfen. Hier haben andere Brennereien z.T. einen nicht geringen Anteil ihres Umsatzes, gerade auch die Flaggschiffe des Vorbesitzers Edrington. Jetzt wird dieser Markt also auch von Bunnahabhain bedient in Form einer Abfüllung, die mit 46,3% Vol. nicht kühlgefiltert und nicht gefärbt ist und ein Vatting aus bis zu 20 Jahre alten Single Malts darstellt, die in frischen Eichenfässern lagern durften. Daher hat man dieser Abfüllung den gälischen Namen "Darach Ùr" gegeben, was übersetzt "neue Eiche" bedeutet.

Bunnahabhain ist eine recht große Brennerei mit einer Ausrüstung von z.T. beeindruckenden Ausmaßen. Mit einer Kapazität von bis zu 13,5 t ist der Maischebottich aus Edelstahl mit Kupferdomdeckel einer der größten der Industrie, dessen Maische in 6 hölzernen Gärbottichen (washbacks) mit einem Fassungsvermögen von je fast 70.000 Litern vergoren wird, bevor sie in die beiden Rohbrandbrennblasen (wash stills) geleitet wird. Diese wash stills werden mit einem Fassungsvermögen von je gut 35.000 Litern als die größten in Schottland angesehen. Die Feinbrandbrennblasen (spirit stills) sind etwa halb so groß und ähneln mit ihrer Zwiebelform den Brennblasen von Lagavulin.
In den sieben Lagerhäusern der Anlage lagern etwa 20.000 volle Fässer Whisky. Seit der Übernahme wird durchgehend produziert, man konzentriert sich aber inzwischen mehr auf die Vermarktung als Single Malt und achtet bei der Herstellung dementsprechend sehr auf die Qualität. Die Produktionskapazität der Anlage von gut 2,5 Mio. Litern reinen Alkohols wird mit der zur Zeit tatsächlich erzeugten Menge von etwa 2 Mio. Litern nicht voll ausgeschöpft. Man befüllt die Brennblasen nur etwa bis zur Hälfte ihres Fassungsvermögens und wählt einen ausgesprochen engen Schnitt des Mittellaufs zur Abfüllung. Diese Maßnahmen sollen bewirken, dass das abgefüllte Destillat so leicht und rein ist wie nur möglich.

Bei unseren Besuchen in 2006 und 2008 haben wir deutlich den Eindruck gewinnen können, dass Bunnahabhain nicht nur natürlich von der steigenden Nachfrage nach Whisky seit über 10 Jahren profitiert hat, sondern auch und vor allem vom Besitzerwechsel. Der Brennereimanager John MacLellan drückte es auf der Führung so treffend aus, dass wir es nicht besser könnten: "vorher waren wir ein kleiner Fisch in einem großen See, jetzt sind wir ein großer Fisch in einem kleinen Teich".

Wir denken jedenfalls, dass der sanfte Gigant von Islay, wie Bunnahabhain gerne genannt wird, schon längst erwacht ist. Hoffentlich versucht man nicht zu sehr, ihn noch wachzurütteln.
11/08

Wasser: Margadale Spring

Mash tuns: 1 , : 13,5 Tonnen

Washbacks: 6 , : 399.000 Liter

Adresse:
Port Askaig, Isle of Islay, Argyll
PA46 7RP

Tel: 0044 1496 840646
Fax: 0044 1496 840248

Homepage

Washstills: 2 , : 70.772 Liter

Spiritstills: 2 , : 31.092 Liter

: 2.500.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 1.200.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2006)

Befeuerung: Indirekt durch Dampf-Kessel innerhalb der Stills

Besitzer: Burn Stewart Distillers

Es sind weitere Abbildungen zu Bunnahabhain vorhanden
 

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