Details zur Destillerie Bruichladdich

Bedeutung des Namens: "Ecke am Strand"

Foto von Bruichladdich
Bruichladdich
Die 1881 von den Harvey Brüdern gegründete Destillerie liegt auf Islay am Loch Indaal, gegenüber von Bowmore. Nach dem Verkauf durch die Familie an Hobbs & Co., einer Stillegungsphase von 1929-1937 folgend, fanden mehrere Besitzerwechsel statt. Während dieser Zeit wurde bereits 1961 die eigene Mälzerei eingestellt. Im Jahr 1968 ging Bruichladdich an Invergordon Distillers, die 1975 eine Erweiterung um 2 auf 4 Brennblasen vornahmen, dann aber 1983 den Betrieb der Brennerei einstellten. Im Jahr 1993 wurde Invergordon von Whyte and Mackay, die damals Teil von Jim Beam Brands waren, gekauft. Nach einer kurzen Phase des Betriebs wurde Bruichladdich 1995 wegen Überkapazitäten im stark gewachsenen schottischen Zweig des Unternehmens erneut eingemottet. (Man besaß auch Jura und hatte sich bei der Vermarktung für Jura als Inselmalt entschieden) Lediglich 1998 wurde kurz destilliert, um die Lücken im Bestand für die Zukunft nicht zu groß werden zu lassen.

Im Jahr 2000 wurde aus der Gruppe des unabhängigen Abfüllers und Weinhändlers Murray McDavid und Jim McEwan die Bruichladdich Distillery Company formiert, welche die Brennerei nach mehrmonatigen Verhandlungen im Dezember übernahm. Als Produktionsleiter konnte der auf Islay geborene Jim McEwan, der vorher über 30 Jahre bei Bowmore tätig war, gewonnen werden. Er ist eine der größten Persönlichkeiten der Szene und wurde schon dreimal zum Distiller of the Year gekürt.
Nach monatelangen aufwändigen Instandsetzungsarbeiten und einer Neuausrichtung der Brennblasen durch Jim McEwan konnte rechtzeitig zum Islay Festival erneut mit der Herstellung von Whisky begonnen werden.
Als erstes Destillat lief am 29. Mai mit 40ppm getorfter Port Charlotte durch die Brennblasen, die Erzeugung des mit 3-10ppm nur schwach getorften Bruichladdichs begann im Juli 2001.
Seit September 2001 haben die neuen Besitzer sehr viele Abfüllungen vor allem aus den Beständen älterer Produktion herausgebracht, die aber z.T. schon mit Beimischungen der seit ihrer Übernahme hergestellten Destillate gevattet, also gemischt werden. Neben dem normalen Bruichladdich und dem bereits erwähnten Port Charlotte wird seit Oktober 2002 hier auch der torfigste Whisky überhaupt, der Octomore mit ca. 80 ppm (parts per million) Phenolanteilen gebrannt. Bisher lagen die Spitzen bei den getorften whiskies bei 50-60 ppm Phenol.

Die Fässer (70% Ex-Bourbon, 15% Ex-Sherry, 15% div. Weinfässer) werden stets mit dem ungewöhnlich hohen Alkoholgehalt von 70% Vol. befüllt, was eine optimale Langzeitlagerung ermöglichen soll, auch hinsichtlich der Tatsache, dass der Whisky ohne Zusatz von Farbstoff (Zuckerkulör) und ohne Kühlfilterung mit starken 46% Alkoholgehalt in die Flaschen abgefüllt wird. Dieses geschieht seit 2003 in der eigens in eines der alten Lagerhäuser auf dem Gelände der Brennerei gebauten Abfüllanlage, ein weiterer Schritt Bruichladdichs in der stolzen Betonung ihrer Unabhängigkeit von global operierenden Großkonzernen. Man ist jetzt die einzige Brennerei auf Islay mit eigener Flaschenabfüllung, und gleichzeitig neben Glenfiddich und Springbank eine von nur dreien in ganz Schottland.
Die eigene Abfüllung hat zur bemerkenswerten Folge, dass der Whisky mit Wasser derselben Quelle verdünnt werden kann, mit dem er auch gebrannt wurde.

Der selbstbewussten modernen und zum Teil sehr humorvollen Vermarktung von der zeitgemäßen auffälligen Verpackung, die den maritimen Charakter der Destillate betonen soll bis hin zum Medium Internet (vorbildliche, extrem informative website auch mit zahlreichen technischen Beigaben wie z.B webcams, die es ermöglichen, die Vorgänge im Brennhaus zu observieren, wovon bereits die CIA Gebrauch machte) und der Menge der unterschiedlichen Abfüllungen steht die Anlage selbst beinahe anachronistisch gegenüber: Bei der aufwändigen Renovierung der Brennerei wurde sehr viel Wert auf den Erhalt großer Teile der viktorianischen Ausrüstung für den Produktionsprozess gelegt. Bruichladdich verwendet einen der sehr seltenen gusseisernen Maischebehälter ohne Abdeckung mit Rührwerk, hölzerne Gärbehälter aus Oregon Pinie und leitet die während einer überdurchschnittlich langen Gärzeit von bis zu 150 Stunden entstandene siebenprozentige bierähnliche Flüssigkeit in einem schonend langsamen Destillationsverfahren durch die Brennblasen. Bei der Herstellung des Whiskies wird keine Computersteuerung verwendet, alles geschieht ganz traditionell von Hand.
Die Rohbrandbrennblasen werden mit nur knapp dreiviertel ihrer Kapazität befüllt (d.h. etwa 12.500 Ltr.), die Feinbrandbrennblasen mit nur etwas mehr als der Hälfte (d.h. 7.600 Ltr.), um ein möglichst reines Destillat als Endprodukt zu erhalten.
Seit der Wiedereröffnung ist Bruichladdich eine Destillerie, deren Eigentümer den hier erzeugten Whisky beinahe ausschließlich als Single Malt vermarkten will. (lediglich für den Black Bottle wird Bruichladdich abgegeben.)
Diese Entscheidung macht die zeit- und arbeitsaufwändige Art des Betriebes bei Bruichladdich überhaupt erst möglich.
Trotz ihrer möglichen Produktionskapazität von fast 2 Mio. Ltr. reinen Alkohols pro Jahr werden zur Zeit nur etwa 500.000 Ltr. jährlich erzeugt. Man konzentriert sich ganz auf die Qualität.

In großen Unternehmen, die viele Brennereien besitzen, hat eine einzelne Destillerie oftmals ihre Bedeutung hauptsächlich als Zulieferfabrik für die weltweit als Marken mit großem Aufwand beworbenen Blended Whiskies. Beim Betrieb der Brennerei muss dann natürlich vor allem auf Produktionsmenge zur Auslastung der Anlage geachtet werden, um kostendeckend und somit wirtschaftlich effizient und erfolgreich sein zu können.

Bruichladdich 12 Years
Vom momentanen Standpunkt aus betrachtet, ist es Murray McDavid gelungen, Bruichladdich genau zum richtigen Zeitpunkt zu erwerben und wiederzubeleben. Single Malt Whisky erlebt einen anhaltenden Aufschwung im Gegensatz zum Blend, und als kleines flexibles Unternehmen ist man mit großem Enthusiasmus und Gespür für die Entwicklung des Marktes in die richtige Nische gesprungen. Bereits in 2006 konnte man, ein Jahr früher als erwartet, schwarze Zahlen schreiben, die Absatzmenge steigt jährlich und für 2007 plant man eine Erhöhung der Produktion um 100.000 Liter.
Die erfolgreichen Bemühungen wurden bereits zweimal mit der Auszeichnung "Brennerei des Jahres", in 2001 und 2003, honoriert, 2005 bekam man gar den Queen's Award for Business Enterprise.

Die Entwicklung bei Bruichladdich weist in vielerlei Hinsicht Analogien zur Brennerei Springbank auf, in deren Anlage ebenfalls Whisky dreier verschieden stark getorfter Brennarten hergestellt wird. Dieses dient sicherlich einem kleinen Unternehmen auch dazu, für möglichst viele unterschiedliche Geschmäcker Produkte aus eigenem Haus anbieten zu können, und wohl auch, um für kommende Geschmackstrends gerüstet zu sein.

Mit verschieden stark getorften Brennarten, verschiedenen Fasstypen bei der Lagerung und verschiedenen Altersstufen können durch jeweiliges Mischen untereinander potentiell sehr viele unterschiedliche Geschmacksvarianten im Endprodukt erzeugt werden.
Als Beispiel können z.B. die "3D" Abfüllungen gelten, eine Mischung (Vatting) aus älterem ungetorften Bruichladdich mit Anteilen an jungem Port Charlotte und sehr jungem Octomore. Der in Fassstärke abgefüllte "Infinity" stellt ebenfalls solch ein Vatting aus älteren in Sherryfässern gelagertem Bruichladdich mit Anteilen jungen Port Charlottes dar.
Auch hinsichtlich jeder nur erdenklichen Art der Nachreifung (finishing) in Port-, Madeira- oder Weinfässern sind die neuen Eigentümer experimentierfreudig und innovativ.
Bruichladdich ist zur Zeit vor allem noch in der normalen Brennart aus den übernommenen Beständen der Vorbesitzer erhältlich, den die neuen Eigentümer in ihrer Standardreihe als 10-, 12-,15-, 17- und 20jährigen abgefüllt haben. Es werden auch hier immer nur realtiv geringe Auflagen angeboten, deren Fasszusammensetzung über die verschiedenen Auflagen wechselt.
Zusätzlich zu den oben erwähnten Vattings aus neuen und alten Whiskies gibt es noch die Legacy genannte Reihe meist sehr alter Einzelfassabfüllungen, die Links-Reihe in Sammlerdosen mit Schmucketiketten von Golfplatzmotiven, die WMDs und viele andere meist in begrenzter Menge. Einige der jüngsten Neuerscheinungen waren in 2006 die limitierte Ausgabe eines 1970 gebrannten Bruichladdichs zum 125-jährigen Bestehen der Brennerei sowie eine Abfüllung eines 20-jährigen in matter schwarzer Flasche, die an die Ära der von außen direkt durch Kohlenfeuer beheizten Brennblasen erinnern soll: "je schwärzer die Brennblase, desto besser der Whisky" soll es damals geheißen haben.
Mit dem PC5 in Fassstärke brachte Bruichladdich dann Ende 2006 noch die erste Originalabfüllung heraus, die ausschließlich aus Whisky besteht, der unter dem neuen Eigentümer hergestellt wurde. Es handelt sich um Port Charlotte, der 5 Jahre in den Lagerhäusern der ehemaligen gleichnamigen Brennerei direkt am Wasser lagern durfte.
Im Jahre 2008 erscheinen dann neben unzähligen anderen neuen Abfüllungen ( für einen Überblick ist noch am ehesten die homepage der Brennerei zu empfehlen...) drei in unseren Augen erwähnenswerte nominell 7-jährige Whiskies: Waves, Rock und Peat. Drei verschiedene Bruichladdich Single Malts, die sich in Fasslagerung und Torfungsgrad des verwendeten Malzes unterscheiden und für ihr (noch zu) jugendliches Alter sehr vielversprechend sind. Sie sind insofern besonders hervorzuheben, als sie die ersten in größerer Stückzahl auftretenden Abfüllungen darstellen, die nur aus Destillat bestehen, welches nach der Wiedereröffnung in 2001 gebrannt wurde.

Bruichladdich ist trotz aller Ähnlichkeiten in der Entwicklung zu einigen anderen Brennereien, die ebenfalls nach den Erschütterungen des Marktes während der letzten Jahre durch die großen Fusionen unter den Spirituosenriesen v.a. an unabhängige Abfüller verkauft wurden (Benromach von Diageo an Gordon und MacPhail, Edradour von Pernod an Signatory, Glengoyne von Edrington an Ian McLeod, um nur einige zu nennen) wohl ein bleibendes Unikum:
Man beschäftigt inzwischen als einer der größten Einzelarbeitgeber auf Islay insgesamt 32 Menschen (in der Abfüllanlage, im Büro mit Management vor Ort, im Besucherzentrum in der ehemaligen Mälzerei, den Lagerhäusern vor Ort und in Port Charlotte und natürlich in der Produktionsmannschaft).
Man experimentiert weiter mit Brennverfahren (3-und 4-fache Destillation), Gerstensorten inkl. Biogerste, bietet dem Besucher die Möglichkeit, sich beim Besuch eine Einzelfassabfüllung selbst in die Flasche zu füllen, eine Woche bei der Herstellung mitmachen zu dürfen, oder gar ein eigenes Fass zu erwerben.
Bruichladdich ist eines der schnell groß gewordenen Kinder des anhaltenden Single Malt Booms. Vielleicht wird die Brennerei ja deshalb von ihren Besitzern gern als "The Laddie" bezeichnet, was soviel bedeutet wie "junger Mann".
Wir warten gespannt, was aus dem Besitz dieses jungen Mannes, 12 Lagerhäusern mit einer Kapazität für bis zu 35.000 ruhende Fässer, in Zukunft wird....







Wasser: Eigener Stausee

Mash tuns: 1 , : 5,0 Tonnen

Washbacks: 6 , : 150.000 Liter

Adresse:
Port Charlotte, Isle of Islay,
Argyll PA49 7UN

Tel: +44 1496 850221
Homepage

Washstills: 2 , : 34.550 Liter

Spiritstills: 2 , : 24.550 Liter

: 2.000.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 500.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2006)

Befeuerung: Dampf

Besitzer: Murray McDavid

Es sind weitere Abbildungen zu Bruichladdich vorhanden
 

Interaktive Karte: