Details zur Destillerie Benriach

Bedeutung des Namens: "Trister Berg"

Foto von Benriach
Benriach Distillery
Die Benriach Destillerie liegt unübersehbar direkt an der Strecke von Elgin nach Rothes, kurz nachdem man Elgin verlassen hat. Sie wurde dort 1897 gegen Ende des großen Whiskybooms von John Duff & Co. erbaut, denen auch die unmittelbar benachbart liegende Longmorn Brennerei gehörte. Man verpflichtete einmal mehr den für sein Pagodendach berühmt gewordenen Architekten Charles Doig. Da kurz nach Fertigstellung der große Zusammenbruch der Whiskyindustrie durch den Konkurs des Pattison-Imperiums folgte, geriet der Gründer in finanzielle Schwierigkeiten, die Brennerei wurde bereits drei Jahre nach ihrer Fertigstellung stillgelegt. Sie blieb sagenhafte 65 Jahre lang eingemottet.
Erst 1965 wurde Benriach nach umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen von Glenlivet Distillers Ltd. wieder angefahren. Dieses Unternehmen ging im Jahre 1978 an den kanadischen Riesen Seagram, der Benriach seinem schottischen Zweig Chivas Brothers eingliederte. Spätestens seit 1983 wurde unter Seagrams Eignerschaft mehr oder weniger kontinuierlich zusätzlich zum "normalen" auch Benriach mit gemälzter Gerste hergestellt, da Seagram keine Islay Brennerei besaß und Vorsorge für die Versorgung seiner Blends treffen wollte. Im Jahr 1985 erweiterte man die Brennerei um ein Paar zusätzliche Brennblasen.
Erst 1994 brachte Seagram einen 10-jährigen Benriach im Rahmen seiner sog. Heritage-Selection heraus.
Das Jahr 2001 sah die Zerschlagung des kanadischen Riesen, die Spirituosensparte wurde von Diageo und Pernod gemeinsam übernommen und aufgeteilt. Während Diageo hauptsächlich kanadische Markenblends zufielen, ging der schottische Zweig der Spirituosensparte, Chivas Brothers, an Pernod Ricard. Chivas Brothers beinhaltete einerseits natürlich den Edelblend Chivas Regal, aber auch namhafte Brennereien wie The Glenlivet, Glen Grant, Strathisla, Longmorn und eben Benriach.
Dass die Brennerei Benriach die jahrzehntelange Stillegungsphase überlebt hat, ohne wie manch andere das Schicksal der völligen Schließung und möglicherweise sogar des Abrisses zu erfahren, verdankt sie einerseits ihrer größeren Schwesterbrennerei Longmorn, die bei Whiskyblendern einen ausgezeichneten Ruf genoss und genießt, und andererseits ihren eigenen Mälzböden. Obzwar eher klein, wurden diese nämlich auch während der gesamten Phase der Einmottung betrieben, um einen Teil des Malzes für die größere und berühmtere Schwester Longmorn zu liefern. Möglicherweise ist nicht zuletzt dieser Anteil an traditionell gemälzter Gerste auch einer der Gründe, weshalb Longmorn Single Malt unter Kennern schon lange als Geheimtipp galt. Erst 1999 schloss der damalige Eigner Seagram die Mälzböden Benriachs, die sich aber immer noch in betriebsbereitem Zustand befinden.
Nach der Übernahme von Chivas Brothers ächzte Pernod Ricard unter der Last seiner Malt Brennereien. Die bereits in eingemottetem Zustand übernommene Brennerei Glen Keith blieb stillgelegt, und Edradour, die kleinste Brennerei im Portfolio, die man 1982 erworben hatte, wurde an den unabhängigen Abfüller Signatory verkauft. Benriach wurde zusammen mit drei anderen der ehemaligen Seagram-Brennereien (All't A Bhaine, Braeval u.Caperdonich) bereits in 2001 nur noch 3 Monate rotierend betrieben und im Oktober 2002 zusammen mit ihnen eingemottet. Als nun zweitgrößter Spirituosenkonzern der Welt wollte Pernod Ricard sich ganz auf seine Flaggschiffe, den Blend Chivas Regal und die hochdotierten Brennereien Glenlivet, Aberlour, Glen Grant, Strathisla und Longmorn konzentrieren.

Im April 2004 dann wurde die Destillerie Benriach von der PR Brands (Intra Trading), einem Zusammenschluss der südafrikanischen Geschäftsleute Geoff Bell und Wayne Kieswetter unter Miteinbeziehung Billy Walkers, dem langjährigen Direktor des schottischen Whiskyunternehmens Burn Stewart Distillers, gekauft.
Sie gründeten die BenRiach Distillery Company Ltd und erwarben Benriach von Pernod Ricard zusammen mit einem ansehnlichen Anteil reifenden Whiskies. Aufgrund der Erfahrung Billy Walkers und der nur kurzen Stillegungsphase der Brennerei konnte die Anlage bereits im September 2004 wieder angefahren werden. Die guten Kontakte Walkers zum ehemaligen Arbeitgeber führten zur Verpflichtung des langgedienten Destilleriemanagers Alan McConnochie, den man bei Tobermory abwarb. Er hatte zuvor diesen Posten u.a. bereits bei Laphroaig und Bunnahabhain ausgefüllt. Noch vor der Wiederinbetriebnahme der Anlage wurden nach Sichtung des erworbenen Inventars erstaunliche Schätze aus den traditionellen niedrigen Lagerhäusern mit Lehmböden (dunnage warehouses) zutage gebracht, denn darunter befanden sich natürlich auch die nur wenigen Insidern bekannten Destillierexperimente mit verschieden stark getorftem Malz.

Benriach 12 Years

So gelang es den neuen Besitzern, bereits im August 2004 dem dankbaren Markt aus dem reichen Vorrat eine ganze Reihe neuer Originalabfüllungen zu präsentieren: Zunächst erschienen ungetorfte Benriachs, der Heart of Speyside als Vatting verschiedener Altersstufen ohne Altersangabe sowie Abfüllungen mit 12, 16 und 20 Jahren. Gleichzeitig erschien ebenfalls als in größerer Auflage verfügbare Standard-Originalabfüllung ein getorfter 10-jähriger Benriach aus mit etwa 35ppm Phenolgehalt gemälzter Gerste, was immerhin etwa dem Niveau von Laphroaig oder Caol Ila auf Islay entspricht. Dieser Curiositas getaufte Single Malt war für alle Liebhaber bis auf ein paar Eingeweihte eine kleine Sensation, wusste doch kaum jemand um die Experimente, die hier offenbar schon seit längerer Zeit stattgefunden haben mussten, denn bereits im Oktober 2005 erhielt der Curiositas mit dem 21-jährigen, nicht kühl gefilterten Authenticus genannten Single Malt einen großen Bruder, ebenfalls aus stark rauchig gebranntem Destillat.
Im Jahre 2006 wurde die Reihe der ungetorften Originalabfüllungen um einen 25- und einen 30-jährigen erweitert.
Außerdem erscheinen neben dieser "Core-Range", also dem Herzstück des Sortiments an Single Malts, das sich in ungetorfte und getorfte Abfüllungen aufgliedert, ständig neue Sonderabfüllungen aus dieser Jahrzehnte vernachlässigten, ja beinahe vergessenen Brennerei. Diese Sonderabfüllungen werden ihrerseits unterteilt in drei Untergruppen: limitierte Jahrgangsabfüllungen einzelner Fässer (single cask) in Fassstärke, sowie in verschiedenen Fasstypen nachgelagerte Single Malts, die sich wiederum in ungetorfte "finishings" und getorfte unterteilen. Auch die Nachlagerungen sind immer nur in kleiner Auflage (batches) erhältlich.
Die Herausgabe der limitierten Jahrgangsabfüllungen (vintages) begann mit Batch 1 bereits im Dezember 2004, es erschienen 1966, 1970 und 1978 als ungetorfte Einzelfässer sowie der Jahrgang 1984 als getorftes Einzelfass.
Batch 2 folgte im September 2005, bestehend aus 7 Jahrgangsabfüllungen, darunter auch stark getorfte Fässer der Siebziger Jahre.
Batch 3 im Juni 2006 bestand aus 8 Jahrgängen u.a. mit einem 26-jährigen Einzelfass, welches vor der Befüllung nichts anderes enthalten hatte, eine absolute Besonderheit für diese Zeit.
Die bislang letzte Ausgabe, Batch 4, folgte im August 2007 mit weiteren 7 Vintages, alle aus Wein- oder Likörweinfässern, die alle Nachlagerungen ebenfalls in verschiedenen Wein- und Likörweinfässern erhielten.
Die erste Abfüllung der Wood Finishings, also der Nachlagerungs-Abfüllungen, erschien im November 2006 mit vier 15-jährigen Benriachs, allesamt ungetorft.
Ihnen folgte im Mai 2007 die zweite Ausgabe, diesmal drei 12-jährige Nachlagerungs-Whiskies der stark getorften Destillation.

Der nicht als Single Malt abgefüllte Teil des erzeugten Malt Whiskies geht nach wie vor in Blends, zum Beispiel in Chivas Regal, daneben auch 100 Pipers, Queen Anne und andere.


Seit der Wiederinbetriebnahme 2004 wurde die Produktion langsam aber stetig gesteigert, im Jahr 2006 hatte man schon 1,3 Mio. Liter Whisky produziert, 2007 werden es 1,8 Mio. Liter sein.
Um auch künftig eine hohe Variabilität in den Abfüllungen aufrecht erhalten zu können, wird natürlich auch unter dem neuen Besitzer mit verschieden stark gemälztem Getreide destilliert.

Kurz nach unserem Besuch im Herbst 2007, bei dem wir in der Lage waren, uns mit allen Sinnen ein umfangreiches Bild von der Qualität einiger der in etwa 20.000 Fässern lagernden Whiskies zu machen, entschloss man sich, mit den Renovierungsarbeiten zur Wiederinbetriebnahme der eigenen Mälzerei zu beginnen. Diese sollen noch in 2008 abgeschlossen sein. Dann werden die Mälzböden etwa 10 to. Malz pro Woche sowohl getorft wie auch ungetorft verarbeiten, was etwa 10% des Gesamtbedarfs entspricht.

Unser besonderer Dank geht an Billy Walker und sein Team für eine außergewöhnliche Führung abseits der Norm mit unglaublicher Fülle an Informationen und sensorischen Eindrücken. Wir haben nachgelagerte Whiskies und Fassstärke hier kennen- und schätzen gelernt, und freuen uns, dass Benriach in Kürze zu dem kleinen elitären Kreis der Brennereien gehören darf, die über eine eigene traditionelle Mälzerei verfügt.

11/07



Mash tuns: 1 , : 6,1 Tonnen

Washbacks: 8 , : 240.000 Liter

Adresse:
Longmorn, Elgin, Morayshire, IV30
8SJ

Tel: +44 1343 862888
Fax: +44 1343 862999

Homepage

Washstills: 2 , : 20.000 Liter

Spiritstills: 2 , : 12.100 Liter

: 2.800.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 1.800.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2007)

Befeuerung: Indirekter Dampf

Es sind weitere Abbildungen zu Benriach vorhanden
 

Interaktive Karte: