Details zur Destillerie Balvenie

Bedeutung des Namens: "Siedlung des Glücks"

Foto von Balvenie
Balvenie
Die Brennerei Balvenie liegt nördlich des Städtchens Dufftown im Zentrum der Speyside auf dem großen Anwesen der in Whiskykreisen legendären Familie Grant. Sie teilt sich dieses Gelände mit zwei weiteren Destillerien und einem Gutshof der Familie.
Zur Sicherung der Quelle Robbie Dubh für seine 1887 errichtete Brennerei Glenfiddich kaufte William J. Grant das umliegende Land mit einem alten halb verfallenen Schloss darauf. Auf den Ruinen dieses Schlosses erbaute er 1892 mit Hilfe seiner Söhne nur 5 Jahre nach der Eröffnung Glenfiddichs seine zweite Destillerie, Balvenie. Ein Feuer bei der Konkurrenz in Glenlivet bot den nötigen Markt für die Versorgung der Blender. Der erste Brennvorgang fand am 1. Mai 1893 statt. Beim Bau von Balvenie verwendete man analog zu Glenfiddich gebrauchte Brennblasen. Im Falle Balvenies stammten sie von Lagavulin und Glen Albyn.
Im Jahr 1957 fand die erste Erweiterung um zwei Brennblasen auf vier statt. 1965 erfolgte ein Ausbau um ein weiteres Paar Brennblasen (stills) auf sechs, 1971 kam eine siebte hinzu. Inzwischen stehen im Brennhaus von Balvenie 9 Brennblasen: fünf für den Rohbrand (wash stills) mit einer Kapazität von jeweils 12.729 Litern, und vier für den zweiten Destillationslauf (spirit stills). Zwei der spirit stills haben eine den wash stills entsprechende Kapazität, die zwei anderen fassen jeweils 9.092 Liter. Die Brennblasen der Grant-eigenen Brennereien werden von eigenen Kupferschmieden gewartet und instand gesetzt. Im Maischehaus steht ein Maischebottich aus Edelstahl mit Deckel, das Fassungsvermögen der 10 Gärbottiche aus Douglasienholz beträgt jeweils 50.000 Liter.
Balvenie teilt sich das Wasser mit ihrer größeren Schwester Glenfiddich, heizt ihre Brennblasen mit Dampf aus der Abwärme Glenfiddichs und versorgt ihrerseits das Stillhouse der 1990 errichteten dritten Brennerei der Familie auf dem Gelände, Kininvie, mit der benötigten bierähnlichen wash.
Kininvie wurde zur Versorgung des hauseigenen Blends "Grant's" mit Malt errichtet und besteht im Wesentlichen aus dem Stillhouse. Der Malt wurde bisher noch nicht als eigener Single Malt abgefüllt. Auch in dem 2005 vom Besitzer herausgebrachten "Monkey Shoulder", einem Vatted Malt, befindet sich ein Großteil Kininvie.

Trotz der immensen Größe des Gesamtkomplexes auf dem Gelände gibt es sowohl bei Glenfiddich wie auch bei Balvenie viele sehr traditionelle Produktionsmethoden bei der Erzeugung ihrer Single Malts, und bemerkenswerterweise sind die in den verschiedenen Brennereien erzeugten Single Malts trotz ihrer Nähe und der Verwendung des gleichen Quellwassers vollkommen unterschiedlich.
Die herausragende Qualität des Balvenie Single Malts liegt vermutlich nicht zuletzt in der am deutlichsten hervorstechenden produktionstechnischen Besonderheit:
Balvenie betreibt noch eigene Mälzböden, auf denen etwa 10% der benötigten Gerste selbst gemälzt wird. Vier Männer wenden hier zur Temperaturregulierung schichtweise rund um die Uhr das keimende Korn. Das Getreide kommt zu einem großen Teil von der angrenzenden Farm "The Mains of Balvenie", die ebenfalls der Gründerfamilie gehört und von ihr sehr umweltbewusst zum Schutz der Wasserqualität der dort liegenden Quelle bewirtschaftet wird.
Die gemälzte Gerste wird anschließend im Darrofen (kiln) der Brennerei zuerst 12 Stunden über Torffeuer, anschließend 28 Stunden über Kohlenfeuer getrocknet. Der Torf stammt aus dem Umland von Tomintoul.

In der Destillerie Balvenie existiert außerdem noch eine der ganz wenigen eigenen Küfereien (Fassmachereien, engl. Cooperage), in der von den sechs beschäftigten Küferern die Fässer für die drei Single Malts der Grants aufbereitet werden. Alle anderen Brennereien im weiten Umkreis haben diese Handwerkskunst ausgelagert. Fast alle Eichenfässer für schottischen Single Malt werden in der nahen Speyside Cooperage hergestellt bzw. aufbereitet.

Sicherlich trägt zum Erfolg des Balvenie Single Malts auch die kontinierliche Geschichte der ihn erzeugenden Destillerie bei. Wie sonst nur noch Glenfarclas und Springbank befinden sich die drei Malt Whisky Destillerien der Familie Grant seit ihrer Erbauung im Besitz der Gründerfamilie.
Früher als alle anderen hat die Familie von William J. Grant dabei die Weichen auf die konsequente Vermarktung ihrer Whiskies als Single Malt gestellt, wobei sie mehrfach mit Pioniergeist und dem richtigen Gespür für die Möglichkeiten des Marktes Zeichen gesetzt haben, denen alle anderen letzendlich folgten.
Balvenie wurde 10 Jahre nach Glenfiddich, nämlich 1973 das erste Mal vom Eigentümer als Single Malt abgefüllt. Seitdem wurde die Anzahl der Abfüllungen allmählich erweitert. Noch werden Reste des 10-jährigen, der sog. "Founder's Reserve" zu finden sein, die Produktion dieser Standardabfüllung wurde jedoch inzwischen eingestellt. Die Standardabfüllung aus der Brennerei ist jetzt der 12-jährige "Double Wood", der nach 10-jähriger Reifung in Ex-Bourbon-Fässer für 2 Jahre in Sherryfässern nachreifte. Diese Abfüllung war übrigens eine der ersten Single Malt Abfüllungen mit einer solchen Nachreifung (finishing). Auch auf dem Gebiet des finishings waren die Grants also -zusammen mit den Besitzern der Destillerie Glenmorangie nördlich von Inverness- die Vorreiter. Nach oben erweitert sich die Reihe mit 15-jährigem Balvenie "Single Barrel", einer nicht kühlgefilterten Abfüllung in Fassstärke aus jeweils einem einzelnen ausgesuchten Fass, das zuvor 200 Liter amerikanischen Bourbon enthielt. Auch der 21-jährige Balvenie Port Wood mit einer Nachlagerung in First Fill-Portweinfässern gehört inzwischen zur den regelmäßig erhältlichen Abfüllungen. Im Jahr 2004 wurde ein 30-jähriger Balvenie zum Jubiläum des Master Blenders David Stewart herausgebracht, ebenso erscheinen in der oberen Preiskategorie regelmäßig Abfüllungen recht alter Jahrgänge, sog. Vintages. Sie bestehen aus einem bis einer Handvoll abgefüllter Fässer eines einzelnen Jahres in Fassstärke. Die letzten waren aus 1971 und 1972.
In den letzten Jahren sind darüber hinaus dem Trend folgend unterschiedliche finishings in limitierter Stückzahl lanciert worden. Die erste war 2002 der 13-jährige Port Wood aus 1989 mit einer einjährigen Nachreifung in Second Fill-Portfässern. Er erfuhr mit den Jahrgängen 1991 und aktuell 1993 zwei Neuauflagen. In 2005 kam der 14-jährige Rum Wood mit einer 18-monatigen Nachlagerung in Fässern, die zuvor Rum aus Venezuela und Guyana enthielten. Im Jahr 2006 erschien der 17-jährige New Wood, der eine viermonatige Nachlagerung in extra neu angefertigten Fässern erfahren hat; diese geben naturgemäß besonders viel geschmacklichen Einfluss an den Whisky weiter.
Im Frühjahr 2007 dann zeigte sich wieder einmal ein Beispiel der visionären Kreativität der Besitzer mit der Einführung des Balvenie Roasted Malt, einem 14 Jahre in Ex-Bourbon-Fässern gelagerten Balvenie. Im Sommer 1992 verwendete man für die Herstellung des Whiskies einen Anteil an stark geröstetem Malz, wie es sonst für die Herstellung englischen Starkbieres (stout) verwendet wird, die dem Single Malt kaffeeähnliche Bitterstoffnoten hinzufügen sollten.
Im August 2007 folgt dann eine limitierte 17-jährige Abfüllung aus in Sherryfässern gelagertem Balvenie, die dementsprechend Balvenie Sherry Wood heißt. Gefolgt wurde diese Abfüllung von 17-jährigem in Rumfässern nachgelagertem Balvenie, ebenfalls in begrenzter Auflage.
In 2008 folgt der Balvenie Signature, ein 12-jähriger Single Malt, für dessen Lagerung sowohl zum ersten Male wiederbefüllte Ex-Bourbonfässer als auch Refill-Bourbonfässer und Sherrybutts verwendet wurden.
Anfang 2009 erscheint nun auch von Balvenie eine Abfüllung speziell für den Reisehandel (Travel Retail) an Flughäfen in Form des 14-jährigen Balvenie Golden Cask, der nicht kühlgefiltert mit 47,5% Vol. in die Flaschen kommt.


Wie mit Glenfiddich hat die Familie Grant es auch mit Balvenie geschafft, den Single Malt ausgesprochen erfolgreich am Markt zu etablieren. Die Brennerei mit einer Kapazität von weit über 5 Mio. Litern Alkohol jährlich steht durch die Verdoppelung ihrer Verkaufszahlen innerhalb der letzten 7 Jahre inzwischen an zehnter Stelle auf der Liste der meistverkauften Single Malts.
Zur Lagerung der in den drei Brennereien hergestellten künftigen Schätze kaufte die Familie Grant bereits in 1990 die nahegelegene stillgelegte Convalmore Brennerei.
Außerdem betreibt man mit der 1963 errichteten Destillerie Girvan eine eigene Grain Whisky Brennerei zur Versorgung der hauseigenen Blends Grant's und Clan McGregor sowie eine eigene Abfüllanlage für die Single Malts in Dufftown.
Obwohl ein Familienbetrieb geblieben, ist die Familie Grant eine Macht im Whiskymarkt, sie steht an vierter Stelle der Liste der größten Produzenten von Scotch Whisky.



















Wasser: Quelle Robbie Dubh

Mash tuns: 1 , : 10,2 Tonnen

Washbacks: 10 , : 500.000 Liter

Adresse:
Glenfiddich. Dufftown. Banffshire.
AB55 4DH

Tel: +44 (0)1340-820 000
Fax: +44 (0)1340-820 805

Homepage

Washstills: 4 , : 43.642 Liter

Spiritstills: 5 , : 63.645 Liter

: 5.600.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 5.000.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2006)

Befeuerung: innenliegende Dampf-Spiralen

Besitzer: Wm. Grant & Sons Ltd

Es sind weitere Abbildungen zu Balvenie vorhanden
 

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