Details zur Destillerie Balblair

Bedeutung des Namens: "Siedlung in der Ebene"

Foto von Balblair
Balblair: Charakteristisch der alte Schornstein und die Oberlichter
Im Jahre 1790 gegründet ist die Destillerie Balblair eine der ältesten noch in Betrieb befindlichen in Schottland. Lediglich Glenturret, Bowmore und Strathisla sind älter.
Balblair liegt am Dornoch Firth in der Nähe des Ortes Edderton, kaum 10km von Tain entfernt, wo sich die berühmte Brennerei Glenmorangie befindet, in deren Schatten Balblair bis heute steht.
Balblair wurde gegründet von John Ross, der sie bis 1817 erfolgreich führte. Trotz der dann aufkommenden finanziellen Probleme stieg sein Sohn Andrew vorübergehend mit in das Geschäft ein, ging allerdings später nach Brora. Die Brennerei blieb nach Andrews Rückkehr 1836 im Besitz der Familie, denn Andrews Sohn James übernahm nach Erneuerung der Gebäude 1872 und dem Tod des Vaters ein Jahr darauf die Geschäfte. 1894 verlässt er Balblair, und Alexander Cowan wurde neuer Pächter des Balnagowan Anwesens mit der Auflage, innerhalb eines Jahres eine neue Brennerei zu errichten. Er baute die in großen Teilen bis heute erhaltene Brennerei 1894 in der Nähe der Eisenbahnlinie von Inverness nach Wick, ein paar Kilometer von der alten entfernt. Um 1911 geriet er in finanzielle Schwierigkeiten, und musste sowohl Produktion wie auch Lohnzahlungen einstellen. Die Mitarbeiter verkauften die lagernden Bestände nach und nach bis 1932 nichts mehr vorhanden war, eine Produktion fand jedoch nicht mehr statt. Im Jahr 1941 wurde Balnagowan Estate bankrott gemeldet, die Brennerei stand zum Verkauf.
Nach dem Ende des 2. Weltkriegs kaufte Robert Cumming, ein Anwalt aus Banff, 1948 das Anwesen und nahm 1949 die Produktion nach über 30 Jahren der Stilllegung wieder auf. Er erweiterte die Brennerei 1964 um Lagerhäuser, eine neue Heizungsanlage und stellte die Befeuerung der Brennblasen von Kohle auf Dampf um. Cumming blieb Eigentümer, bis er sich 1970 zur Ruhe setzte und Balblair an seinen Hauptabnehmer, das kanadische Imperium von Hiram Walker, verkaufte. Über die Jahre war Balblair zu einem wichtigen Bestandteil des damals zu Walker gehörenden Ballantine's Blend geworden.
Damit war Balblair zum ersten Mal in ihrer Geschichte nicht mehr im Besitz eines schottischen Geschäftsmannes. Balblair war bereits die sechste schottische Brennerei des Imperiums von Hiram Walker, das seine Offensive bereits 1935 mit dem Erwerb von Ballantine's und 1936 der Destillerie Glenburgie startete. Vier Jahrzehnte später gipfelte sie im Kauf der Ardbeg Brennerei auf Islay. Der darauf folgende Versuch Hiram Walkers, den Konzern Highland Distilleries zu erwerben, scheiterte damals noch am Veto des Unterhauses, man befürchtete eine zu starke Konzentration durch die Vereinigung der beiden Riesen. Im Nachhinein klingt dieses fast ironisch, denn kaum ein Jahrzehnt später wird Hiram Walker selbst von einem anderen Riesen übernommen.
Noch im Jahr des Kaufs durch Hiram Walker wurde bei Balblair eine neue Feinbrandbrennblase eingebaut, so dass sich jetzt drei Brennblasen im Brennhaus finden. Die alte, noch genietete Feinbrandbrennblase wurde nie entfernt, und wenn sie sich auch schon seit über 20 Jahren nicht mehr in Gebrauch befindet, so ist sie doch die wohl älteste noch funktionsfähige ihrer Art.

Trotz der Erneuerungsmaßnahmen von Cummings und dem Einbau der neuen Brennblase bleibt Balblair bis heute eine Destillerie wie aus dem Bilderbuch. Sie verfügt über zehn Vorratsbehälter für gemälztes Getreide, die gefüllt den Bedarf für fünf Wochen zu decken vermögen. Das Malz wird seit der Aufgabe der eigenen Mälzböden 1975 den Spezifikationen entsprechend von der Muir of Ord Mälzerei bezogen.
Nach der Einmaischung mit Quellwasser aus dem aus den Struie Hills kommenden Allt Dearg Bach in dem 4,6 to fassenden Maischebottich wird die fertige Maische in die sechs Gärbottiche (wash backs) aus Douglasienholz geleitet. Sie wurden 2002 für je ca. 20.000 Euro erneuert und können jeweils 30.000 Liter wash aufnehmen. Durch die Befüllung zu lediglich zwei Dritteln ihrer Kapazität kann auf den Einsatz eines Rührsystems verzichtet werden.
Die vorgeheizte wash wird anschließend zum ersten Destillationslauf in die 19.093 Liter fassende Rohbrandbrennblase (wash still) geleitet, der zweite Brennvorgang findet in der 11.044 Liter fassenden Feinbrandbrennblase (spirit still) statt. Das aktive Paar Brennblasen wurde bei seinem Einbau zwar nach der Vorlage der alten, noch im stillhouse befindlichen genieteten spirit still (Kapazität 8.182 Ltr.) kopiert, allerdings wurde der untere Teil vergrößert, so dass sie eigenartig bauchig und leicht asymmetrisch wirken. Hier ist ein gutes Beispiel des Problems der Kapazitätserweiterung im Bereich der Destillation zu sehen, und eine einzigartige Lösung, bei der man die vorhandenen Gebäude nicht verändern wollte.
Nach dem Brennen wird das Destillat in bis zu 28.500 zumeist Ex-Bourbon-Fässern vor Ort gereift. Balblair hatte einst das längste Zolllagerhaus Schottlands, bis Brandschutzvorschriften den Einbau von Zwischenwänden vorschrieben.
Alle Lagerhäuser sind traditioneller Bauart mit niedriger Decke und erdenen Böden. Lediglich Lagerhaus Nr. 3 hat einen Betonfußboden, der von der hier im 2. Weltkrieg stationierten norwegischen Armee für den Betrieb ihrer Kantine eingezogen worden war.

Im Jahr 1987 wurde Hiram Walker gänzlich von Allied Vintners übernommen, die damit zu Allied Distillers ( Ballantine's, Long John International und Teacher's) und 1994 mit dem Erwerb von Pedro Domecq zu Allied Domecq wurden und Balblair drohte 1995 die Schließung. Dann jedoch entschloss sich Allied zum Verkauf an das 1956 gegründete schottische Unternehmen Inver House Distillers, das 1997 die Produktion wieder aufnahm.
Die neuen Besitzer bringen die erste nennenswerte Eigentümerabfüllung 1998 in Form des 16-jährigen Balblair heraus, dem zwei Jahre später der Balblair Elements ohne Altersangabe sowie ein 33-jähriger folgen.
Im Jahr 2001 wird Inverhouse Distillers, die inzwischen mit Knockdhu, Speyburn, Pulteney, Balblair, und Balmenach über fünf Brennereien verfügen, von der thailändischen Firma Pacific Spirits gekauft.
2004 erscheint ein 38-jähriger Balblair, ein Jahr später eine 12-jährige Einzelfassabfüllung, die unter Verwendung getorften Malzes hergestellt wurde, sowie Jahrgangsabfüllungen (vintages) aus 1979 und 1970 ( 26- und 35-jährig).
Im Frühjahr 2007 erscheinen in einer vollkommenen Erneuerung der Marke Balblair drei neue Vintages in außergewöhnlicher Aufmachung und Verpackung: als zehnjähriger der Jahrgang 1997 sowie die Jahrgangsabfüllungen aus 1989 und 1979. Damit lehnt sich Balblair nun an das Konzept der Brennereien Knockando und Glenrothes in der Speyside an, die ihre Single Malts ebenfalls nicht statisch nach Alter, sondern nach optimalem Reifezustand als Jahrgangsabfüllungen vermarkten.

Die Lagerhäuser sind mit etwa 23.000 Fässern ruhendem Destillat gefüllt, und man darf gespannt sein, was in Zukunft noch für Leckereien kommen werden aus dieser recht klein gebliebenen wohl schönsten Brennerei des spätviktorianischen Zeitalters mit ihrem weithin sichtbaren roten Ziegelschornstein. Nach Jahrzehnten der Stilllegung und Jahren der Nichtbeachtung scheint eine neue Blütezeit nun wohl endlich gekommen.

In der Tat: Anfang 2008 legt man bereits nach und bringt ein Vintage aus 1975 heraus, da der 79er Jahrgang bereits ausverkauft ist. Diese neue Jahrgangsabfüllung ist die bisher älteste im Jahrgangskonzept von Balblair, sie ergab nur 3.000 Flaschen, die Abfüllung stammt aus Ex-Sherryfässern. Bereits seit Ende 2007gibt es für den weltweiten Reisehandel an Flughäfen (Global Travel Retail) ein Vintage aus 1986, also 21 Jahre gereift.
11/08

Wasser: Allt Dearg Burn am Struie Hill

Mash tuns: 1 , : 4,6 Tonnen

Washbacks: 6 , : 180.000 Liter

Adresse:
Edderton, Tain, Rossshire IV19 1LB

Tel: +44 1862 821 273
Fax: +44 1862 821 360

Homepage

Washstills: 1 , : 19.600 Liter

Spiritstills: 1 , : 11.800 Liter

: 1.300.000 Liter Alkohol pro Jahr

Befeuerung: Dampf

Besitzer: Inver House Distillers

Es sind weitere Abbildungen zu Balblair vorhanden
 

Interaktive Karte: