Details zur Destillerie Ardbeg

Bedeutung des Namens: "kleine Anhöhe"

Foto von Ardbeg
Ardbeg
Die Destillerie Ardbeg liegt an der Südküste der Hebrideninsel Islay als letzte der drei sog. Kildalton-Brennereien. Kommt man vom Südhafen Port Ellen, trifft man zuerst auf Laphroaig, kommt an Lagavulin vorbei, und trifft dann auf Ardbeg. Die Anlage liegt damit nur wenige Kilometer vom wohl berümtesten noch erhaltenen keltischen Hochkreuz entfernt, dem Kildalton Cross.
Nicht zuletzt deshalb ist Ardbeg, deren Brennblasen auch heute noch mit keltischen Ornamenten verziert sind, von einem Hauch Magie und Mystik umgeben.

Erbaut wurde Ardbeg im Jahre 1815 durch die Familie McDougall, in dessen Besitz sie bis 1959 verblieb. Sie ist damit nach Bowmore die zweitälteste Brennerei auf Islay.
Bis zur Eröffnung der Farmdestillerie Kilchoman war sie zudem mit ihrem nur einen Paar Brennblasen die kleinste Brennerei auf der Insel.

Ab 1959 gab es mehrere Besitzerwechsel, 1976 gelangte Ardbeg in den Besitz des Imperiums von Hiram Walker aus Kanada. Unter diesem Besitzer wurde die eigene Mälzerei in immer geringerem Umfang genutzt und 1977 ganz aufgegeben, sowie die Destillerie zwischen März 1981 und November 1989 geschlossen und 3 Lagerhäuser abgerissen. 1987 fiel Hiram Walker an Allied Vintners, aus denen später Allied Distillers (Allied Domecq) wurde. Allied betrieb die Destille ab 1989 nur mit einem Drittel ihrer Kapazität und schloss sie im Juli 1996 wieder, da man auch Laphroaig besaß, und diesem als Islay-Malt im Portfolio den Vorzug geben wollte.
Im Jahre 1997 erfolgte der Verkauf Ardbegs an Glenmorangie plc. für 7 Mio. Pfund und die Wiedereröffnung der Brennerei im Juni nach intensiven Renovierungsarbeiten.
Erste Destillate wurden bereits in 1997 gebrannt, aus dem Doppelkiln der alten Mälzerei wurde 1998 der brennereieigene Shop inklusive hervorragendem Restaurant und Café.
2001 wurde die Feinbrandblase (Spirit Still) durch eine exakte Kopie ersetzt. Das ausgemusterte Exemplar steht seitdem an der Einfahrt zum Besucherparkplatz.
Ende 2004 ging Glenmorangie plc. mit seinen nun drei Destillerien Ardbeg, Glenmorangie und Glen Moray für viele überraschend an LVMH (Louis Vuitton-Moet-Hennessy, französisch-basierter Luxusgüterkonzern).

Trotz der Aufgabe der eigenen Mälzerei bleibt Ardbeg in einiger Hinsicht eine recht traditionelle Brennerei mit einem gusseisernen Maischebottich und hölzernen Gärbottichen aus Douglasie und einem Brennblasenpaar, das durch die zunehmende Konzentration auf die Vermarktung als Single Malt nur sehr behutsam befüllt wird, um ein möglichst reines Destillat zu erzeugen: die Rohbrandbrennblase, die über 18.000 Liter Fassungsvermögen hat, wird nur mit gut 11.000 Litern befüllt, die Feinbrandbrennblase, die fast 17.000 Liter aufnehmen kann, mit etwa 13.500 Litern.

Ardbeg gilt als einer der bisher phenolhaltigsten - am stärksten torfig-rauchigen - Single Malt Whiskies überhaupt. Man bezieht das mit bis zu 55ppm getorfte Malz von der Mälzerei in Port Ellen. Lediglich der extrem getorfte Octomore, der seit wenigen Jahren als einer von drei Varianten in der Brennerei Bruichladdich hergestellt wird, ist stärker getorft.
Die Besonderheit des Ardbeg Single Malt besteht neben dem hohen Phenolgehalt in einer leichten Salznote und vor allem einer deutlich fruchtigen Süße im Hintergrund. Diese Eigenschaften verleihen dem Ardbeg bei aller Intensität eine Leichtigkeit und Komplexität, die ihn von allen anderen unterscheidet und abhebt.
Diese hervorragenden Qualitäten mögen auch damit zu sammenhängen, dass Ardbeg als eine der wenigen Brennereien an der Feinbrandbrennblase einen sog. Purifier besitzt, der den Rückfluss verstärken und so zu einem leichteren, reineren Destillat führen soll.

Die Brennerei kann unter Dauerbetrieb, d.h. mit der inzwischen eingeführten 7-Tage-Arbeitswoche höchstens etwa eine Million Liter Alkohol jährlich produzieren. Die Lagerung findet in fünf Lagerhäusern vor Ort statt, die bis zu 24.000 Fässer aufnehmen können. Man verwendet zu 98% Fässer von Jack Daniels, nur 2% sind Ex-Sherryfässer.

Die Standardabfüllung des Eigentümers war bis 2008 der 10-jährige nicht kühlgefilterte Ardbeg TEN mit 46% Vol. aus der Allied-Ära, also aus Destillaten des Vorbesitzers (siehe unten). Darüber hinaus wurden seit der Wiedereröffnung viele ältere Jahrgänge in Eigentümerabfüllung auf den Markt gebracht. Diese sind aufgrund der geringen Kapazität der Brennerei und den langen Perioden der Schließung sehr selten, und erzielen daher, verbunden mit dem legendären Ruf der Brennerei und geschickter Werbung, sehr hohe Sammlerpreise.
Besonders gefragt sind Einzelfassabfüllungen, oft in Fassstärke, aus den frühen 70er Jahren, also vor der Schließung der eigenen Mälzerei. Diese Abfüllungen können inzwischen regelrecht als Wertobjekte bezeichnet werden.
Neben dem 10-jährigen brachte Ardbeg nach der Wiedereröffnung auch einen 17-jährigen auf den Markt, der weniger stark getorft war, weil bei der Zusammenstellung dieser Abfüllung auch Fässer verwendet wurden, die im sog. Kildalton Stil gebrannten Ardbeg enthielten. Dieser wurde ab Ende der 70er Jahre bis zur Schließung 1981 als Experiment mit weniger getorftem Malz gebrannt, vermutlich um Alternativen für den Handel mit Whisky für Blends auszuprobieren. Der 17-jährige Ardbeg war nach wenigen Jahren auf dem Markt vergriffen, das gleiche Schicksal ereilte inzwischen auch den 25-jährigen Ardbeg "Lord of the Isles". Auch diese Abfüllungen erzielen bereits Sammlerpreise.

Ardbeg Ten
Der im Kildalton Stil gebrannte Ardbeg wurde 2004 als Ardbeg "Kildalton" in limitierter Auflage unverdünnt mit 57,6% Vol. als 23-jähriger herausgebracht. Diese 1981 destillierte Abfüllung war nur direkt bei der Brennerei oder über den brennereieigenen Internetshop erhältlich und nach kürzester Zeit vergriffen. Das gleiche gilt für Abfüllungen nur für Mitglieder des Ardbeg Committees. Dieser Fanclub, der vom Besitzer Glenmorangie plc. nach der Wiedereröffnung ins Leben gerufen wurde, ermöglicht es ausschließlich Mitgliedern, an besondere Abfüllungen heranzukommen. In den ersten Jahren waren dieses oft ältere Jahrgänge, die unverdünnte Einzelfassabfüllungen oder aus nur wenigen Fässern zusammengestellt und damit streng limitiert waren. In 2000 erschien hier 1976 destillierter Ardbeg, ein Jahr später ein 21-jähriger. Aufgrund der geringen Vorräte älteren lagernden Whiskies wurden jedoch auch die Committee-Abfüllungen dann deutlich seltener und jünger.
In 2003 erschien zunächst nur für diesen Fanclub zum ersten Mal Ardbeg aus der Destillationsperiode nach der Wiedereröffnung. Der 6-jährige Ardbeg Very Young "for discussion", den also die Anhänger der Marke sozusagen testen sollten, kam aus 1997 unverdünnt mit 58,9% Vol.
Ihm folgte ein Jahr später der ebenfalls 6-jährige Very Young aus 1998 unverdünnt mit 58,3% Vol., der auf dem rückwärtigen Etikett den Stempel "Committee Approved" trug, also mit der Zustimmung des Fanclubs sozusagen. Auch diese jungen Whiskies werden inzwischen zu Sammlerpreisen gehandelt.
Das Interessante für den Single Malt Genießer an dieser Werbestrategie ist, dass die Gelegenheit gegeben wird, den Single Malt der neuen Brennperiode seit der Wiedereröffnung auf seiner Reise zur Ausreifung in verschiedenen Altersstufen zu verkosten. In 2006 erscheint nämlich dann aus 1998 der Ardbeg "Still Young" unverdünnt mit 56,2% Vol., dem ein Jahr später der "Almost there", ebenfalls aus 1998 und unverdünnt mit 54,1% Vol. folgt. Und 2008 kommt dann tatsächlich in logischer Konsequenz die Abfüllung des neuen 10-jährigen Ardbeg aus der Glenmorangie-Ära in Fassstärke mit 55,9% mit dem Namen Ardbeg "Renaissance". Alle diese Abfüllungen sind in begrenzter Auflage herausgegeben worden, also durchaus zukünftige Sammlerflaschen. Im Herbst 2008 erscheint dann in nur leicht veränderter Aufmachung der neue Ardbeg TEN aus den Destillaten der Glenmorangie-Ära, nach wie vor ungefiltert und ungefärbt mit 46 Volumenprozent Alkohol.
Daneben dann überrascht Ardbeg mit der nach dem "Kildalton" erneuten Abfüllung eines nur sehr gering getorften Ardbegs. Dieser Ardbeg "Blasda" hat einen Phenollevel im Malz von etwa 7-8ppm, außerdem wird er in einer klaren Flasche und nur mit 40% Vol. und gefiltert herausgegeben.
Viel beachtet und mit der für Ardbeg inzwischen schon bekannten aufwändigen und wenn auch kontrovers diskutierten so doch immer auch innovativen Marketingkampagne kommt in 2008 daneben noch der Ardbeg Corryvreckan heraus als Abfüllung für die Mitglieder des Fanclubs. Somit ist auch dieses natürlich wieder ein junger Whisky in Fassstärke von 57,1% Vol. und diesmal nun auch ohne Altersangabe gewesen, dessen nur wenige tausend Flaschen in nur wenigen Wochen ausverkauft waren und bereits wenige Monate später in Auktionen gewinnbringend wieder umgesetzt werden. Diejenigen, die ihn dagegen geöffnet haben, befanden ihn als sehr vielversprechend. Es gehen die Gerüchte, dass es sich auch beim "Corryvreckan" um einen Testballon gehandelt haben soll, der bei Erfolg in ähnlicher Form in das Standardsortiment mit aufgenommen werden könnte.
Nicht nur ein Testballon soll der Anfang 2009 ebenfalls zunächst nur für Mitglieder des Fanclubs erhältliche Ardbeg "Supernova" sein, der sozusagen den extremen Gegenpol zum "Blasda" aus dem Jahr davor bildet. Diese neue Abfüllung von Ardbeg kommt wieder nicht kühlgefiltert und in Fasstärke mit 58,9% Vol. daher, und vor allem mit einem enormen Torfgehalt von ca. 100ppm. Dieser Phenollevel ist damit doppelt so hoch wie der, welcher normalerweise die Spezifikation für das Malz zur Herstellung von Ardbeg Single Malt darstellt.
Durchaus eine Überraschung, dass auf Islay in den letzten Jahren offensichtlich nicht nur bei Bruichladdich mit extrem stark getorftem Malz experimentiert worden ist.
Zu bezahlbaren Preisen gab und gibt es neben dem bisherigen und nun neuen Ardbeg Ten noch den "Uigeadail", ein in Fassstärke abgefülltes Vatting aus jüngeren in Bourbon- und älteren in Sherryfässern gelagertem Ardbeg. Im Jahr 2006 erschien ferner ein 16-jähriger aus 1990 gebranntem Ardbeg namens "Airigh Nam Beist" mit 46% Vol.
Von unabhängigen Abfüllern ist Ardbeg noch mehr oder weniger regelmäßig erhältlich, allerdings auch nicht immer gerade günstig im Preis.

Nach der Übernahme Ardbegs durch LVMH verließ der dort seit der Wiedereröffnung tätige Manager Stuart Thomson, dessen Frau das Old Kiln Café in der alten Mälzerei betreibt, die Destillerie. Seine Nachfolge trat Mickey Heads an, der zuvor diesen Posten bei der Isle of Jura Destillerie inne hatte. Er kehrte damit an die Stelle seines Wirkens zurück, war er doch bereits zu Zeiten Allieds unter Iain Henderson als Brauer bei Ardbeg tätig.
Damit sind zum ersten Mal seit langen Jahren alle Destilleriemanager auf Islay geborene Ileachs.


Wasser: Loch Iaran und Loch Uigeadail

Mash tuns: 1 , : 4,5 Tonnen

Washbacks: 6 , : 141.000 Liter

Adresse:
Port Ellen, Islay, Argyll PA42 7EA

Tel: ++44 (0) 1496 302244
Homepage

Washstills: 1 , : 18.279 Liter

Spiritstills: 1 , : 16.957 Liter

: 1.100.000 Liter Alkohol pro Jahr

Jahresproduktion: 950.000 Liter Alkohol pro Jahr(Im Jahr 2005)

Befeuerung: Dampfbeheizte Innenpfannen

Besitzer: Glenmorangie plc

Es sind weitere Abbildungen zu Ardbeg vorhanden
 

Interaktive Karte: